Ein Papst der klaren Worte

Vorarlberg / 05.05.2015 • 19:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zogen Bilanz: (v. l.) Erich Baldauf, Andreas Feiertag, Moderatorin Petra Steinmair-Pösel, Sabine Gritzner-Stoffers, Andreas R. Batlogg. Foto: ha

Zogen Bilanz: (v. l.) Erich Baldauf, Andreas Feiertag, Moderatorin Petra Steinmair-Pösel, Sabine Gritzner-Stoffers, Andreas R. Batlogg. Foto: ha

Zwischenbilanz nach zwei Jahren Papst: Franziskus genießt in Vorarlberg große Wertschätzung.

Dornbirn. (ha) Vor zwei Jahren wurde Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Grund genug für die Katholische Kirche Vorarlbergs, eine Zwischenbilanz über das Pontifikat von Franziskus zu ziehen. Dass es für den höchsten kirchlichen Würdenträger aus Südamerika aber nicht nur Applaus gibt, ja dass hohe kirchliche Würdenträger mit seiner Art der Amtsführung alles eher als glücklich sind, ist kein Geheimnis. Hierzulande hingegen erfreut sich der Papst großer Beliebtheit. Diesen Eindruck gewann man jedenfalls am Montagabend beim „Gesellschaftspolitischen Stammtisch“ in Dornbirn.

Als Franziskus im Vatikan das Zepter übernahm, wusste er, dass Millionen Menschen, nicht nur Katholiken, von ihm erwarteten, dass er umgehend heiße Eisen anpacken wird, angefangen vom Zölibat über die Diskussion um sexuelle Orientierungen bis zur Rolle der Frau in der Kirche. Der gute Wille war und ist da. Dass es Hürden zu überwinden gibt, hat er bald erfahren müssen, weiß Dr. Andreas R. Batlogg, Chefredakteur der Zeitung „Stimmen der Zeit“: „Der eigene Apparat im Vatikan steht ihm reserviert gegenüber, denn er sieht sich nicht als Vollstrecker der Meinung der Kurie. Recht hat er.“

Demut und Bescheidenheit

Dass sich Franziskus mit seinen Aussagen zu verschiedenen Themen nicht nur einmal in die Nesseln gesetzt hat, verschafft ihm beim Kirchenvolk mehr Sympathie als Ablehnung. Auch der Jesuit Batlogg sieht keinen Grund, seinen Ordensbruder Bergoglio zu kritisieren, wenn er etwa in seiner legendären Weihnachtsansprache höchsten Würdenträgern mehr Demut und Bescheidenheit empfiehlt. Dass er sich damit in gewissen Kreisen keine Freunde machte, ist dem Papst bewusst, hindert ihn aber nicht, trotz wachsenden Widerstandes weiterhin Missstände zu bekämpfen.

Laut Batlogg hat es Franziskus in den zwei Jahren seines Pontifikats geschafft, durch eine Reihe von Initiativen Bewegung in die Kirche zu bringen, auch wenn vieles noch offen ist. Hoch rechnet Batlogg dem Papst an, dass er mit Bischof Erwin Kräutler gute Kontakte pflegt und dessen großes soziales Engagement nicht nur mit Worten unterstützt. Eine Note über die bisherige Arbeit des Pontifex will Batlogg offiziell nicht vergeben. Allerdings dürfte die Zensur gut ausfallen: „Ich bin ein großer Fan des Papstes, auch wenn er mich noch nicht angerufen hat.“

Hohe Erwartungen

Auch von den Experten am Podium gab es durchaus Lob für den Heiligen Vater. Für den Sprecher der Dornbirner Pfarrerinitiative, Dekan Erich Baldauf, setzte er bereits mit der Wahl des Namens Franziskus ein klares Zeichen. Sabine Gritzner-Stoffers, evangelische Theologin aus Bregenz, attestiert Franziskus hohe Glaubwürdigkeit, auch weil er sein Amt als Dienst am Menschen verstehe. Sie wartet aber noch auf klare Aussagen zum Zölibat oder auch zu Fragen der Ökumene: „Wir schauen alle interessiert nach Rom.“

Auch bei den Medien kommt Franziskus bestens an, weil er für Überraschungen gut ist. Für „VN“-Redakteur Andreas Feiertag ist der Papst deshalb so etwas wie ein Superstar auf dem theologischen Parkett, der es aus gutem Grund immer wieder auf die Titelseiten der Zeitungen in aller Welt schafft.

Auch das Publikum im vollbesetzten Saal des Kolpinghauses wurde von Moderatorin Petra Steinmair-Pösel um eine Benotung gebeten. Das Ergebnis zeigte, dass der Papst in Vorarlberg höchstes Ansehen genießt.