Maria, eine Hoffnungsgestalt

Vorarlberg / 15.05.2015 • 18:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Jetzt sind sie oder wir wieder unterwegs in den Bussen oder zu Fuß, um zu pilgern und Wallfahrtsorte aufzusuchen, an denen wir unser Leben, unsere Bitten wieder neu verankern können, um Ruhe zu finden, Halt und die Gewissheit, dass wir das Ungewisse überstehen und meistern werden.

Die Wallfahrtsbilder schenken Hoffnung

Mich faszinieren immer die Namen und die verschiedenen Marienbilder an diesen Orten, die Trost und Hoffnung schenken. Da ist Maria im Baum in Serfaus in Tirol. In einem Baum erschien dieses Bild damals und macht heute noch alle, die dahin pilgern, aufmerksam, dass wir durch die Lebenshaltungen Marias Halt finden wie in einem Baum, der wächst und Festigkeit verleiht. Oder da ist Maria im Stollen in Locherboden, wo Verschütteten im Stollen Hilfe geschenkt wurde. Diese Erinnerung daran schenkt uns die Hoffnungen, dass wir überall dort, wo das Leben und die Zukunft verschüttet erscheinen, einen Ausweg und Ausgang finden können. Oder da ist Maria im Fenster in Absam, wo das Marienbild schützend und sorgend aus dem Fenster blickt und jenen bittend nachschaut, die weggehen und jene wartend willkommen heißt, die ankommen. Oder da ist das Bild in Maria Weissenstein in Südtirol, wo eines Tages oder Nachts aus dem Acker ein Licht aufstieg und an dem Ort die wunderschöne Marienstatue geborgen werden konnte. Dieses Bild erinnert uns wohl daran, dass uns immer auch ein verborgener Schatz geschenkt ist, den wir ausgraben dürfen. Oder da ist für mich das unvergessliche Bild: „Maria in den Trümmern“ in Köln, das an das grauenvolle Bombardement in Köln 1945 erinnert. Mitten in den Trümmern war ein Pfeiler einer zerstörten Kirche stehengeblieben und daran die unversehrte Statue Mariens. Das war ein Zeichen für die Kölner, dass aus den Trümmern ihrer Stadt wieder neues Leben wachsen kann. Oder da ist das Bild der Knotenlöserin in Augsburg oder im nahen Altstätten: Maria hält ein Band mit Knoten in der Hand und löst diese Knoten auf. Sie schenkt uns die Hoffnung, dass wir auch in unserm Leben die vielen Knoten auflösen können.

Das Bild und die Geschichte Mariens können uns helfen

Am Anfang ihres Lebens steht das Staunen, über das Joop Roeland schreibt:

Staunen war der Anfang.

Schon ein Grundton ihres Lebens,

denn ihr Dasein war

von Geheimnis umhüllt.

So wurde sie eine Fragende,

eine, die sich vor dem Geheimnis

in Ehrfurcht verbeugte.

Nur die Fragenden

lernen, was Ehrfurcht ist.

Nur die Staunenden

sind Erwachte,

die im Geheimnis verweilen.

Nur die Seelen, die sich verbeugten,

können sich erheben,

können preisen

die Größe des Herrn.

In dieses Staunen legt sich der Geist, der Lebensspender ist, der am Anfang der Schöpfung Leben geschaffen hat und es immer noch tut, der uns jeden Tag neu spirituelle Energie schenkt, damit wir mit Lebensfreude erfüllt sind, so wie Maria voll Gottes war und ihn als Kind in sich wachsen ließ.

Die Haltungen Marias sind heute noch gültig

Maria birgt sehr viele wertvolle Haltungen, die ihr helfen, das Leben zu ertragen und in ihm Freude zu finden, und die auch uns helfen.

So können wir mit Ingeborg Mollner sagen:

Weil du eine Lauschende bist, hörst du den Engel

weil du eine Fragende bist, sagst du Ja

weil du eine Leichtfüßige bist, gehst du über Berge

weil du eine Mutige bist, singst du von Zukunft

weil du eine Sinnende bist, hütest du Gedanken

weil du eine Suchende bist, findest du im Tempel

weil du eine Wissende bist, ebnest du Wege

weil du eine (Los-)Lassende bist, übst du Gelassenheit

weil du eine Starke bist, erträgst du Leid

weil du eine Hoffende bist, stehst du auf

weil du so bist, möchte ich manchmal wie du sein.

Maria ist eine von uns, nicht eine Hocherhabene, sie ist eine, die hilft, weil ihre Verwandte in Not ist, sie ist eine Wohnungssuchende in Bethlehem, eine Aylsuchende in Ägypten, eine Mutter, die ihr Kind sucht, weil es ihr verlorengegangen ist, eine Mutter, die den Erfolg ihres Sohnes erlebt und auch zu ihm steht, als er von allen fallengelassen wird. Sie kennt unser Leben, darum dürfen wir zu ihrem Bild pilgern, um von ihr Hoffnung und Hilfe zu erfahren. Diese Hilfe wünsche ich uns allen.

Rudolf Bischof,
Generalvikar Feldkirch