Raum schaffen für Urmobilität

18.05.2015 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
edited by Zsolt
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Fußgänger-Fachkonferenz führt hochrangige Gäste für zwei Tage nach Bregenz.

Bregenz. (VN-hk)  Wenn eine Rede mit „Liebe Fußgängerinnen und Fußgänger“ beginnt, dann ist der Adressat entweder Zuhörer einer Büttenrede, oder er befindet sich tatsächlich auf einem Treffen von FußgängerInnen. Letzteres war am Montag im Vorarlberg Museum in Bregenz der Fall. Mit diesen Worten begrüßte der Moderator die zahlreichen Teilnehmer der bereits neunten Fachkonferenz für FußgängerInnen 2015.

Viele Ideen

Das Motto glich einem längeren Spaziergang: „Gut zu Fuß – vital begegnet – nachhaltig aktiv, qualitätsvolle Personenmobilität zu Fuß in der Mobilitätskette“ kündigte eine der Veranstaltungsbroschüren an. Es gab Vorträge, Präsentationen, Workshops und Speeddatings zum Thema, man steckte die Köpfe zusammen, um über die Herausforderungen für das Zufußgehen im ländlichen Raum, über Begegnungszonen oder über das Gehen & Verweilen als Erhöhung der Lebens- und Kommunikationsqualität zu beraten.

Gekommen waren unter anderem die politisch Verantwortliche für den Langsamverkehr in der Schweiz, Gabrielle Bakels, die St. Galler Regierungspräsidentin Heide Hanselmann sowie Umweltlandesrat Johannes Rauch (56) und der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (56), die als Podiumsmitglieder Impulse setzten, ehe es mit interessanten Ausführungen

zum Thema Zufußge-

hen und Vorträgen

weiter-

ging.

Anstelle der heiseren

Umwelt

stadträ-

tin Sandra Schoch gab Christoph Kalb einen Überblick über die „Fußgängerperlen“ von Bregenz und verwies in diesem Zusammenhang auf das Fußwegekonzept in der Landeshauptstadt. Symphonikerplatz, Kornmarkt, die Begegnungszone Rathausstraße oder die Pipeline seien Orte für eine perfekte Umsetzung der elementaren Personenmobilität.

Der Paradewanderer

Am beeindruckendsten war die faszinierende Erzählung des Bartholomäbergers Florian Pichler, eines passionierten Fußgängers und Wanderers. Der vierfache Familienvater wandert jeden Tag durch die Natur von Bartholomäberg nach Vandans an seinen Arbeitsplatz bei den Illwerken. Allein durch diese Wege legt Pichler jedes Jahr circa 1500 Kilometer per pedes zurück und schafft dabei auch etliche Tausend Höhenmeter. Die mehrere Kilometer lange Strecke hat dabei immer wieder neue Erlebnisse auf Lager.

Begeistert schilderte er verschiedenste Stellen, die ihn entweder zum Verweilen oder zu Begegnungen mit Tieren einladen. „Im übrigen ersparen wir uns als Familie ein Zweitauto. Das ist ein großer finanzieller Vorteil“, merkte der Montafoner schmunzelnd an und erntete von den Teilnehmern lautstarken Applaus.

Liftgefahr

Dass die Einstellung zum Spazieren in ländlichen

Gegenden

noch ver­besserungs-

würdig ist, beweist ein Vergleich mit Großstädten.

Dort legen die Bewohner ganz selbstverständlich viel längere Strecken zu Fuß zurück, als dies die Bewohner von nicht so stark besiedelten Räumen tun. Um die elementarste aller Bewegungsformen noch mehr zu fördern, gibt es mehrere Ideen. „Man könnte zum Beispiel bei jedem Lift eine Tafel mit der Aufschrift anbringen: ‚Dieser Lift kann ihre Gesundheit gefährden‘“, schlug Gabrielle Bakels schelmisch vor.

Bemerkenswert: In der Schweiz existiert für Kinder ein Rechtsanspruch auf einen zumutbaren Schulweg.