Pensionisten 194.000 Euro herausgelockt

Vorarlberg / 22.05.2015 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sogar die Cobra kam in diesem Fall zum Einsatz.  Foto: VN
Sogar die Cobra kam in diesem Fall zum Einsatz. Foto: VN

Ziehsohn tischte Lügenmärchen von der Camorra auf und legte damit Ziehvater herein.

Feldkirch. (ec) Der 34-jährige Angeklagte stammt aus einem Land, in dem es immer warm ist und Kokospalmen wachsen. Doch die Bevölkerung ist größtenteils sehr arm. Das war für den großzügigen Unterländer Grund genug, den Mann zu unterstützen. Er half, wo er konnte, und versorgte somit auch die Familie seines Ziehsohnes, mehrere Tausende Kilometer entfernt, mit Geld. Doch die Gutmütigkeit des Pensionisten wurde schamlos ausgenutzt. Die Verwandten gaben das Geld anderweitig aus als geplant. Der Rentner nahm einen Kredit nach dem anderen, um den unverschämten Bitten nach zukommen.

Lügen aufgetischt

Der Ziehvater sorgte für den Mann, der in Österreich und in Italien lebte, bezahlte dessen Ausbildung und kümmerte sich fürsorglich um ihn. Der Beschuldigte ging in den Jahren 2011 bis 2014 jedoch nach eigenen Aussagen keiner Beschäftigung nach. Als der Geldstrom zu versiegen drohte, erfand der Südländer das Märchen, die Camorra sei hinter ihm her und habe ihn bereits wegen Geldschulden verprügelt. Er zeigte Verletzungen her, die er sich in Wirklichkeit beim Sport geholt hatte. Der Ziehvater glaubte dem Mann und versuchte weiter, Geld aufzutreiben. Als bei knapp 200.000 Euro nichts mehr ging, drohte der Ziehsohn. Der Rentner fürchtete das Schlimmste.

Cobra-Einsatz

Das Opfer nahm seine Pistole zu sich und alarmierte die Polizei. Die kam aufgrund der drohenden Gefahr sogar mit der Cobra. Im Prozess versucht der Ziehvater den Mann immer noch zu decken, beschönigt alles und hat sichtlich wieder ein gutes Verhältnis zu ihm. „Er wurde nur aufgehetzt von seinen Verwandten. Er meint das alles nicht so“, gibt er zu Protokoll. Der Senat erkennt die Situation und verurteilt den Angeklagten wegen schweren Betruges und versuchter Erpressung zu 18 Monaten unbedingter Haft. Schadenersatz will der Rentner keinen, obwohl der Betrüger angeblich bereit wäre, ihn zurückzuzahlen. Mit was ist fraglich, denn Geld hat er ja keines. Ob das Urteil rechtskräftig wird, ist noch offen, sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gaben keine Erklärung ab.