Zwischen Zweifel und Freude

Vorarlberg / 26.05.2015 • 19:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Lehrerschaft herrscht Empörung, und meinem Gefühl nach steht auch die Bevölkerung nicht hinter der gemeinsamen Schule. Klemens Voith, Bundesgymnasium Bregenz Blumenstraße
In der Lehrerschaft herrscht Empörung, und meinem Gefühl nach steht auch die Bevölkerung nicht hinter der gemeinsamen Schule. Klemens Voith, Bundesgymnasium Bregenz Blumenstraße

Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sorgt für Unruhe bei Gymnasiallehrern.

schwarzach. (VN-mm) Die gemeinsame Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen scheint in Vorarlberg beschlossene Sache (die Vorarlberger Nachrichten berichteten). Ungeteilte Zustimmung ist dem Ansinnen aber nicht beschieden. Vor allem in der Lehrerschaft der Gymnasien rumort es, droht mit der gemeinsamen Schule doch die Abschaffung der AHS-Unterstufe. Klemens Voith, Direktor des Bundesgymnasiums Bregenz Blumenstraße, hat dazu eine klare Meinung; die orientiert sich an den Aussagen der Aktion „Pro Gymnasium“, die die gemeinsame Schule bereits in aller Deutlichkeit ablehnte. „Man kann doch nicht eine bewährte Form ins Ungewisse hinein abschaffen“, meint Voith und berichtet von einer großen Empörung innerhalb seiner Belegschaft. Seinem Gefühl zufolge steht auch die Bevölkerung nicht hinter dieser Maßnahme. Alle Umfragen der vergangenen zwei Jahre zu diesem Thema hätten klare Ergebnisse gegen die gemeinsame Schule erbracht.

Mit Abstrichen bekennt sich Reinhard Sepp, Direktor des Bundesgymnasiums Dornbirn Schoren, zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Die Vorbehalte betreffen vor allem die erforderlichen Personal- und Finanzressourcen. „Die Unterstufe ist von allen Formen der Sekundarstufe I die günstigste Form. Wird diese Form nun abgeschafft, kommt die ganze Sache mit Sicherheit teurer, soll das gleiche Ergebnis erzielt werden“, rechnet er vor. Denn es brauche mehr Betreuung für alle Schüler, auch für die Hochbegabten. „Da ist für mich aber nichts in Sicht“, verweist Sepp auf die in allen Ministerien gewälzten Sparpläne. Gäbe es hingegen bereits ein gutes Konzept, wäre er persönlich uneingeschränkt für die gemeinsame Schule. Denn er weiß: „Die Selektion, wie sie jetzt erfolgt, funktioniert nicht zufriedenstellend.“ Deshalb braucht es seiner Ansicht nach eine bessere Übergangsregelung an der Schnittstelle von der Volksschule in eine weiterführende Schule. „Bis die gemeinsame Schule kommt, müssen noch mindestens acht Jahrgänge durch das alte System“, macht er deutlich.

Frage des Personalbedarfs

Unaufgeregt kommentiert Ulrich Sandholzer vom Bundesgymnasium Feldkirch Rebbergasse die Angelegenheit. „Wenn die gemeinsame Schule kommt, kommt sie.“ Er räumt jedoch Vorbehalte der Kollegenschaft gegen das Projekt ein. Die seien zu erwarten gewesen. Auch Sandholzer glaubt, dass etwas Gutes entstehen kann, wenn die Begleitmaßnahmen entsprechend sind. Besonders der Personalbedarf müsse genau angeschaut werden.

Fast schon euphorisch haben die Gewerkschaften die Ankündigung zur Einrichtung einer gemeinsamen Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen zur Kenntnis genommen. „Einziger Wermutstropfen ist die lange Einführungszeit von acht bis zehn Jahren“, bedauert Gerhard Unterkofler von der Pflichtschullehrergewerkschaft. „Ich finde, das ist ein gutes und richtiges Zeichen für alle Lehrer und Schüler. Die deutlichen Aussagen motivieren und geben Hoffnung, dass wir endlich den richtigen Weg für eine bessere Schule einschlagen“, bekräftigt Gerhard Rüdisser von der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG). 

Ich bin eher ein Befürworter der gemeinsamen Schule, aber mit Abstrichen. Reinhard Sepp, Bundesgymnasium Dornbirn Schoren
Ich bin eher ein
Befürworter der gemeinsamen Schule, aber mit Abstrichen. Reinhard Sepp, Bundesgymnasium Dornbirn Schoren
Es war nicht zu erwarten, dass die AHS-Lehrer mit fliegenden Fahnen der gemeinsamen Schule zustimmen. Ulrich Sandholzer, Bundesgymnasium Feldkirch Rebberg
Es war nicht zu erwarten, dass die AHS-Lehrer mit fliegenden Fahnen der gemeinsamen Schule zustimmen. Ulrich Sandholzer, Bundesgymnasium Feldkirch Rebberg
Einziger Wermutstropfen ist die lange Einführungszeit von acht bis zehn Jahren. Gerhard Unterkofler, Pflichtschullehrer­gewerkschaft
Einziger Wermutstropfen ist die lange Einführungszeit von acht bis zehn Jahren. Gerhard Unterkofler, Pflichtschullehrer­gewerkschaft
Die deutlichen Aussagen motivieren und geben Hoffnung, dass wir endlich den richtigen Weg für eine bessere Schule einschlagen. Gerhard Rüdisser, UBG
Die deutlichen Aussagen motivieren und geben Hoffnung, dass wir endlich den richtigen Weg für eine bessere Schule einschlagen. Gerhard Rüdisser, UBG