17-Jähriger bezahlte Fahrt ohne Führerschein mit seinem Leben

Vorarlberg / 28.05.2015 • 22:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 24. Dezember 2014.
VN-Bericht vom 24. Dezember 2014.

Autofahrerin übersah Motorradlenker und nahm ihm den Vorrang. Mit tödlichen Folgen.

Dornbirn. Die Tragödie geschah im vergangenen Winter, einen Tag vor Heiligabend: Ein 17-jähriger Motorradfahrer prallte frontal gegen den Pkw einer 43-jährigen Deutschen, die ihre zehnjährige Tochter im Fond mitführte.

Den Biker, deutlich unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit unterwegs, hat auch eine Vollbremsung nichts mehr genützt, denn er war von der Autofahrerin, während sie in die Straße einbog, schlicht und einfach übersehen worden. Ein Trümmerfeld bedeckte danach die Fahrbahn. Der Jugendliche erlag später seinen schweren Kopfverletzungen.

Kennzeichen ummontiert

Der 17-Jährige hätte das schwere Motorrad nicht lenken dürfen. Er war noch nicht im Besitz des Führerscheins. Doch der Reiz des Verbotenen war stärker. Er schaffte sich die Kawasaki an, montierte das Kennzeichen einer anderen Maschine auf das Bike und fuhr einen Freund nach Lustenau. Bei der Rückfahrt sollte er sein Zuhause nie mehr erreichen.

Welch tragisches Ausmaß das Fiasko auch für die Unfalllenkerin selbst hat, kam beim gerichtlichen Nachspiel am gestrigen Donnerstag am Bezirksgericht Dornbirn zutage.

Die 43-jährige Beschuldigte ist angeschlagen. Nur stockend kommen Wortfetzen über ihre Lippen. „Ich wusste anfänglich gar nicht, dass ich schuldig war“, schluchzt sie. „Erst durch das Gutachten ist mir schließlich klar geworden, dass ich den Motorradfahrer übersehen und ihm den Vorrang genommen habe.“

Im Reha-Programm

Die Frau ist seit dem Unfall nicht mehr fähig, einer Beschäftigung nachzugehen. Noch immer befindet sie sich in einem Rehabilitationsprogramm, erhält 800 Euro monatlich für den Unterhalt. Sie kann es nicht verkraften, was geschah. Noch immer nicht.

Die Anklage lautet „Vergehen der fahrlässigen Tötung“. Richter Frank Plasinger verurteilt sie in diesem Sinne zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je vier Euro, die Hälfte davon bedingt. Gleichzeitig wird die Frau zur Bezahlung der Privatbeteiligtenansprüche verurteilt. Sie muss unter anderem für die Bestattungskosten aufkommen. Insgesamt ein Betrag von beinahe 20.000 Euro.

Ob das Unfallopfer das Fahrzeug lenken durfte oder nicht, war in diesem Fall nicht relevant. Der Jugendliche hat das Motorrad vorschriftsmäßig gelenkt, das Verschulden traf ausschließlich die Autofahrerin.

Die Verurteilte bedauert die Tragödie zutiefst, bricht wieder in Tränen aus. Richter Plasinger wünscht ihr alles Gute und viel Kraft, ehe er sie aus dem Verhandlungssaal entlässt.

Ich wusste anfänglich gar nicht, dass ich schuldig war.

Die Angeklagte