Arbeitsreiche, schöne Jahre

Vorarlberg / 29.05.2015 • 18:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In der Basilika in Rankweil gab sich das Paar am 31. Mai 1955 das Jawort.
In der Basilika in Rankweil gab sich das Paar am 31. Mai 1955 das Jawort.

Dornbirn. Das Fest der diamantenen Hochzeit feiern heute Roswitha und Walter Lerch im Kreis der Familie, Verwandten und Bekannten im Gasthaus „Krone“ in Dornbirn.

Roswitha, geb. Fink, wuchs in Dornbirn in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Näherin verdiente sie nach der Schule ihren Lebensunterhalt und unterstützte mit ihrem Lohn ihre Mutter, da der Vater krank war. Walter Lerch wurde als Zweitältester von fünf Geschwistern in Frastanz geboren. Er verlor mit acht Jahren seine Mutter. Der Vater zog mit den Kindern in seine Heimatgemeinde Gaschurn zu Mutter und Schwester, die eine kleine Landwirtschaft führten. „Ich musste immer arbeiten, im Sommer im Bergheu, bei der Kriesiernte und im Holz. Ich habe mich aufs Wochenende gefreut, da konnte ich endlich in einem Bett schlafen“, erinnert sich der Jubilar. Leichter wurde es für ihn, als er mit 17 zu seinem Bruder nach Dornbirn zog. „1947 habe ich eine Wagner- und Karosseriebaulehre angefangen, die Gesellenprüfung gemacht und noch bis in den Frühling als Wagner gearbeitet. Ich habe dann gesehen, dass mein Vater als Gipser doppelt so viel verdient und so bin ich mit ihm arbeiten gegangen. Ich wurde einer Partie als Facharbeiter zugeteilt, niemand hat bemerkt, dass ich dieses Handwerk nie gelernt hatte“, erzählt der Jubilar.

Der Liebe begegnet

Auf dem Weg zur Arbeit begegneten sich Roswitha und Walter öfters, und so lernten sie sich kennen. „Sie war zu Fuß unterwegs und mein Bruder und ich mit dem Fahrrad“, so der Jubilar, „man redete miteinander und verabredete sich.“ Als es ernst wurde, baute Walter den Dachstock des Elternhauses aus und so entstanden zwei Zimmer, die das Paar nach seiner Hochzeit am 31. Mai 1955 bezog. Pfarrer Martin Fink, ein Bruder von Roswithas Vater, vermählte sie in der Basilika in Rankweil, und nach einem Mittagessen im „Kreuz“ und einer Jause auf der Schattenburg feierte das Paar zu Hause mit den „Vogelweidern“, bei denen Walter fünf Jahre mitgesungen hatte. Im April 1956 begrüßte das Paar seine erste Tochter Brigitte und im Zweijahrestakt stellten sich Anneliese, Markus und Christoph ein, Nachzügler Thomas kam 1969 dazu. Mit viel Liebe erzog Roswitha die Kinder und hielt ihrem Mann den Rücken frei, sodass er sich voll und ganz seiner Arbeit widmen konnte. Die Sonntage verbrachte die Familie gemeinsam beim Wandern, Pilze oder Heidelbeeren sammeln. Zudem pflegte Roswitha ihre Mutter 17 Jahre lang und musste ihre Interessen oft aus Rücksicht auf deren Bedürfnisse zurückstecken.

Voller Vertrauen in die Zukunft gründete Walter Lerch 1960 sein Verputzgeschäft und baute ein großes Lagergebäude mit einer Wohnung für die Schwiegereltern. „An meinem 37. Geburtstag, am 11. Juli 1967, sind wir dann in unser Haus in der Millöckergasse eingezogen“, so der Jubilar. Es folgte der Bau des Ferienhauses in Gaschurn, das Walter Lerch nach Feierabend aufbaute. 1990 trat Walter in den wohlverdienten Ruhestand und übergab den Söhnen Markus und Christoph das Geschäft. „Ich habe mein Geschäft mit nichts angefangen und hatte nach drei Jahren 18 Mitarbeiter und einen Lastwagenchauffeur, danach haben immer zwischen 25 und 30 Leute für mich gearbeitet“, so der Seniorchef.

Schicksal angenommen

Die viele Arbeit und das Alter haben ihre Spuren bei den Jubilaren hinterlassen. Roswitha geht es dem Alter entsprechend gut, sie ist aber auf Hilfe angewiesen. Das Skifahren hat der Jubilar vor zwei Jahren aufgegeben. Ihm macht das Herz zu schaffen, doch lässt er sich nicht unterkriegen und pflegt mit Freude den Garten und sein neues Hobby, das Drechseln. Der Tod ihrer ältesten Tochter Brigitte im März hat das Paar besonders hart getroffen, denn in kurzer Zeit hat eine heimtückische Krankheit sie dahingerafft. Der Zusammenhalt in der Familie hilft, diesen schweren Schicksalsschlag zu ertragen.

17 Enkelkinder und Urenkelin Lena sind die weiteren Nachkommen des Jubelpaares. Sie, die Kinder und deren Partner wünschen den Eltern, Groß- und Urgroßeltern ein schönes Fest und danken ihnen besonders für die Liebe und Fürsorge, die sie von ihnen erfahren dürfen.

Roswitha und Walter Lerch freuen sich über jeden Tag.  Fotos: Privat
Roswitha und Walter Lerch freuen sich über jeden Tag. Fotos: Privat