Bodenseefischer vor dem Aus

Vorarlberg / 31.05.2015 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von leeren Maschen können die Berufsfischer nicht mehr leben, immer mehr geben auf. Die Fahrten auf den See lohnen sich nicht mehr.  Foto G. Grabher
Von leeren Maschen können die Berufsfischer nicht mehr leben, immer mehr geben auf. Die Fahrten auf den See lohnen sich nicht mehr. Foto G. Grabher

Die Fänge der Bodenseefischer sind gegen null gesunken. Berufsstand gefährdet.

Fußach. (gg) Schlecht wie nie zuvor sind derzeit die Felchenfänge der Fischer rund um den Bodensee. Immer mehr fahren nicht mehr hinaus und lassen die Netze zu Hause hängen. Mit den stark gesunkenen Phosphaten im Wasser fehlen den Fischen die Nährstoffe. „Gelegentlich setze ich die Netze noch, aber in letzter Zeit waren täglich nicht mehr als eine Handvoll Felchen in den Maschen“, sagt der Fußacher Berufsfischer Martin Gugele. Gar als „Katastrophe“ bezeichnet der Höchster Kollege Elmar Gehrer die heuer bisher erzielten Fänge.

Ähnlich sieht das Gallus Baumgartner, Obmann der St. Galler Berufsfischer in Altenrhein. Er fische zwar noch jeden Tag, während die Hälfte seiner insgesamt 14 Schweizer Kollegen das Fischen so gut wie aufgegeben hat. „Man hofft halt immer wieder auf Besserung und kehrt täglich mit der Einsicht zurück, man wäre besser im Bett geblieben.“ Die Fänge würden nicht einmal das Benzin einbringen.

Ein paar Kilometer weiter, auf der deutschen Seite des Sees, hat auch Roland Stohr, Obmann des bayerischen Berufsfischerverbandes, keine besseren Nachrichten: „Selbst alte Fischer können sich nicht erinnern, dass die Fänge je so schlecht waren.“ Im See sei so gut wie kein Plankton und die Fische stehen in 30 bis 40 Meter sozusagen auf Wintertiefe und rühren sich nicht vom Fleck, erklärt Stohr. „Es gibt Plankton im See, das haben wir bei Versuchsfischen festgestellt“, sagt hingegen Nikolaus Schotzko, amtlicher Experte der Vorarlberger Landesregierung. „Aber zugegeben, die Fische haben wenig im Magen und sind schlank.

Weniger Plankton

Zum gleichen Ergebnis kommt auch sein St. Galler Kollege Jörg Schweizer von der Zuchtanstalt in Rorschach. Die versuchsweise gefangenen Fische sind mager. „Plankton ist aber im See, weniger vielleicht als andere Jahre, aber in guter Qualität.“

Die Vertreter der Berufsfischerverbände rund um den See haben an Politiker aller Anrainerländer und die mit der Fischerei befassten Institutionen ein Schreiben gerichtet, in dem sie auf die aktuelle Situation aufmerksam machen. Sie bezweifeln darin, dass die Anstrengungen mit der künstlichen Aufzucht von Millionen Felchenjungen noch viel bringen, weil die Larven im mageren Bodenseewasser mangels Nahrung verenden. „Es ist anzunehmen, dass die ausgesetzte Brut nicht aufkam“, glaubt Stohr.

Phosphatgehalt steigern

Die Berufsfischer fordern angesichts der seit Jahren rapide fallenden Erträge wieder mehr Phosphate als Nahrungsgrundlage im See. Sie finden aber kein Gehör, die internationale Gewässerschutzkommission räumt der Trinkwasserqualtität des Bodenseewassers den Vorrang ein. Es gibt dazu Stimmen, die behaupten, die Fischer möchten den See düngen wie einen „Kartoffelacker“. Die Fischer wollen nach eigenen Angaben aber nur eine moderate Erhöhung des mittlerweile unter die Sechs-Milligramm-Marke gesunkenen Phosphatgehalts erreichen. „Schon etwa zwölf Milligramm, die das Trinkwasser nicht beeinträchtigen, würden für unser Überleben reichen“, sagen sie.

Da angesichts der prekären Situation auch keine Jungen mehr in den Beruf einsteigen können, befürchtet Roland Stohr die sich abzeichnende Entwicklung: „In zehn bis 15 Jahren wird der traditionsreiche Beruf der Bodenseefischer verschwunden sein.“