Milchquoten-Aus setzt Alpwirtschaft kräftig zu

Vorarlberg / 31.05.2015 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Älpler Norbert Wirth (r.) und sein Sohn Christof auf der Sennalpe „Erles Finne“ oberhalb von Egg.  Fotos: Ludwig Berchtold
Älpler Norbert Wirth (r.) und sein Sohn Christof auf der Sennalpe „Erles Finne“ oberhalb von Egg. Fotos: Ludwig Berchtold

Experten befürchten: Viehbestand auf Ländle-Alpen wird stark zurückgehen.

Egg. Norbert Wirth ist Älpler mit Herz und Seele. Seit 60 Jahren verbringt der Senn mit seinen Tieren den Sommer auf der Alpe „Erles Finne“ auf 1200 Metern Höhe oberhalb von Egg im Bregenzerwald. Früh schon ist er heuer hinaufgezogen. Seit dem 11. Mai trotzt Wirth mit 26 Kühen und einigen Kälbern den unwirtlichen Bedingungen. Das Wetter habe ihnen bisher schwer zu schaffen gemacht. Neuschnee und Regen haben den Wiesen zugesetzt. Für Wirth bedeutet das viel zusätzliche Arbeit.

„Wir gehen gerne hinauf“, sagt der Mann mit überzeugender Stimme. Er sei so aufgewachsen. Sein Sohn auch. Aber bald würden es weniger Alpler sein, die sich den harten Alltag in der Höhe antun. Das Ende der Milchquote erlaubt den Bauern, im Tal zu bleiben. Dort lässt es sich leichter produzieren. „Das ist die größte Gefahr für die Alpwirtschaft“, befürchtet Wirth. Oben, auf der Alpe, habe man die fünffache Arbeit: „Aber die Kühe geben ein Drittel weniger Milch.“ Die ausbezahlte Ausgleichszulage könne das nicht abfedern.

Dass die Bestoßung der heimischen Alpen in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird, diese Befürchtung hat auch der zuständige Landesrat Erich Schwärzler. „In den nächsten fünf Jahren, wenn der Viehbestand um zehn bis 15 Prozent sinkt, werden Teile der Alpen nicht mehr bewirtschaftet“, sagt das Regierungsmitglied im VN-Gespräch. Andere, wie Senn Norbert Wirth, schätzen den Rückgang noch höher ein. Er rechnet damit, dass bald jeder Zweite im Tal bleiben wird.

Land zahlt 3,4 Millionen Euro

Dabei nimmt das Land kräftig Geld in die Hand. Von insgesamt rd. 5,7 Millionen Euro Fördermittel im Jahr 2014 kamen etwa 3,4 Millionen aus dem Landhaus in Bregenz. Unterstützt werden die Alpen auch bei der Finanzierung des Personals. Rund 1000 Hirten kümmern sich in den Sommermonaten um das Vieh. Die meisten sind Familienmitglieder. Etwa 400 verdienen einen Lohn. Die Sozialversicherungskosten in der Höhe von zuletzt 330.000 Euro hat das Land Vorarlberg übernommen.

Ein Drittel der heimischen Kühe wird auf Alpen gesömmert. Die negativen Auswirkungen der Milchquote machen eine gute Leistungsabgeltung noch wichtiger, sagt Landesrat Schwärzler. Heuer sei ein Übergangsjahr. Danach müsse man schauen, wie die Ausfälle an EU- und Bundesmitteln mit Geld aus dem Land kompensiert werden können. „Wir brauchen einen regionalen Spielraum für die Gestaltung der Ländle-Agrarpolitik und damit der Alpwirtschaft.“

Nachbarkühe fehlen

Ein Drittel der erwarteten 40.000 Tiere ist bereits auf den Alpen. Wie viele am Ende heuer tatsächlich in Vorarlberg gesömmert werden, ist noch nicht ganz klar. Es werden wohl weniger sein als in den letzten Jahren. Das hat auch damit zu tun, dass Liechtensteiner und Schweizer Behörden noch immer vor einer Tuberkulose-Ansteckung in Vorarlberg warnen. Den Landwirten drohen hohe Kosten. Dabei haben die flächendeckenden TBC-Tests zuletzt gezeigt, dass die Tierbestände TBC-frei sind, so Schwärzler. Dass die Behörden in den Nachbarländern in den Krisengebieten noch abwarten wollen, dafür habe er Verständnis. Nicht nachvollziehbar sei, dass die Warnung für alle Ländle-Alpen gelte.

Das Ausbleiben der Nachbarkühe verschärft die Situation um die Bewirtschaftung der Alpen weiter. Es sei auch mittelfristig nicht damit zu rechnen, dass alle zurückkommen, meint Schwärzler.

Der Viehbestand auf den Alpen wird zurückgehen.

LR Erich Schwärzler