Die Gletscher sind im Schwinden begriffen

Vorarlberg / 13.07.2015 • 19:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Gletscher unter den höchsten Gipfeln der Silvretta schrumpfen dramatisch.

Bielerhöhe. Am Fuße des Piz Buin befinden sich zwei Gletscher: der Ochsentaler- und der Vermuntgletscher. Beide haben eine Fläche zwischen 180 und 250 Hektar. Von den 20 Gletschern auf der Vorarlberger Silvretta sind sie die zwei größten. Die großen Silvretta-Gletscher stehen seit 1893 unter Beobachtung. „Damals wurde auf Initiative des Alpenvereins damit begonnen, die Längenänderung der Gletscher zu messen“, informiert Günther Groß. Der Gletscherforscher führt seit 1973 Messungen in der Silvretta durch.

Temperaturanstieg

Die Messungen seit 1893 haben eines klar gezeigt: Die Gletscher verändern sich über die Jahre stark. „Seit 1850 ist die Fläche der Gletscher in der Silvretta um 60 Prozent zurückgegangen, ihr Volumen um fast 70 Prozent, ihre Länge um mehrere Kilometer. Dieser starke Rückgang hat mit dem Temperaturanstieg zu tun“, berichtet Groß.

Laut dem Experten ist es in diesem Zeitraum aber auch zu kleineren Gletschervorstößen gekommen. „1850 gab es einen der größten nacheiszeitlichen Vorstöße. Aber auch um 1920 und 1980 haben sich die Eismassen ausgeweitet.“ Seit etwa drei Jahrzehnten konstatiert Groß jedoch einen dramatischen Gletscherrückgang. „Wenn es so weitergeht, wird es bald nur mehr kleine Gletscherreste in der Größe von ein paar Fußballfeldern unter den höchsten Gipfeln der Silvretta geben“, mutmaßt er. Den Forscher beunruhigt diese Entwicklung nicht. „Ich sehe es als normal an. Gletscher haben sich immer verändert.“ Gelassen bleibt er auch im Hinblick auf die Klimaerwärmung. „Wir betrachten das als Novum. Doch Klimawandel war schon immer da. Die Erde hat immer klimatische Änderungen erfahren.“ Der Meinung, dass ausschließlich der Mensch für den Temperaturanstieg verantwortlich ist, steht er skeptisch gegenüber. Denn: „Es gibt auch natürliche Einflüsse, wie die Strahlung der Sonne; sie sind stärker als der menschliche Einfluss.“

Die Erde hat immer klimatische Veränderungen erfahren.

Günther Groß