Tödliche Bakterien bedrohen Obstkulturen

Vorarlberg / 22.07.2015 • 20:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Befallene Bäume im Walgau. Der Feuerbrand ist wegen der anhaltenden Hitze zurück. Foto: Landwirtschaftskammer
Befallene Bäume im Walgau. Der Feuerbrand ist wegen der anhaltenden Hitze zurück. Foto: Landwirtschaftskammer

Die Hitze lässt den Feuerbrand aufmucken. Vor allem im Walgau sind Bäume befallen.

Schwarzach. (VN-hk) Gewöhnlich fürchten Obstbauern den Feuerbrand während der Blütezeit und durften heuer dementsprechend aufatmen. Die Bakterienkrankheit breitete sich aufgrund der für sie ungünstigen Infektionsbedingungen kaum aus. Doch das Durchatmen stellt sich heuer als verfrüht heraus. Wegen der Hitze schlägt der Feuerbrand jetzt im Hochsommer zu. Experten registrierten in einigen Ortschaften massiven Triebbefall an älteren Birn- und Apfelbäumen. Dabei handelt es sich um Bäume, die bereits befallen waren, bei denen die Symptome bisher aber nicht auftraten.

Unschöner Anblick

„Bei diesen Bäumen gab es bereits offene Wunden mit vorhandenen Bakterien. Wahrscheinlich durch die Hitze haben sich diese rasch geteilt und sich somit stark vermehrt“, erklärt Harald Rammel (47) von der Landwirtschaftskammer das Dilemma. Das Ergebnis dieses Prozesses ist deutlich sichtbar: Obstbäume mit verdorrten Blättern, ein Anblick, den man in schlimmen Feuerbrandzeiten in massiver Form zu ertragen hatte, und der zum Alptraum für die betroffenen Landwirte, aber auch für viele Besitzer einst schöner Hochstämmer wurde. In der Anfangszeit des Feuerbrands in Vorarlberg wurden diese Hochstämmer beim geringsten Befall kompromisslos gefällt.

Der Weg zum ungeliebten Anblick eines einst geliebten Obstbaumes ist leicht erklärt. „Die Bakterien zerstören oder verstopfen die Leitungsbahnen eines Baumes, durch die er die benötigten Nährstoffe erhält“, erklärt Rammel. Funktionieren diese Leitungen nicht mehr, stirbt der Baum ab.

Im Umfeld stark befallener Bäume ist der Infektionsdruck und somit die Ansteckungsgefahr auf gesunde Bäume, nachgepflanzte Jungbäume oder Obstplantagen sehr hoch. Daher empfiehlt die Landwirtschaftskammer ein schnelles Reagieren auf diese Situation. Zum Beispiel sollte sofort der Feuerbrandbeauftragte der jeweiligen Gemeinde informiert werden. Dieser begutachtet die befallenen Pflanzen und rät zu entsprechenden Maßnahmen. Bei Apfelbäumen können befallene Triebe mit etwas gesundem Holz bei trockenem Wetter abgebrochen und entfernt werden.

Bei Birnen und Quitten mit starkem Triebbefall empfiehlt die Landwirtschaftskammer die baldmöglichste Rodung. Spätestens im Winter sollte diese vorgenommen werden.

Apfelbäume robuster

Das ausgebrochene Material muss zum Verbrennungsplatz der Gemeinde gebracht werden. In stark befallenen Gebieten rät die Landwirtschaftskammer, keine Birnen- oder Quittenbäume nachzupflanzen. Äpfel reagieren wesentlich langsamer auf Feuerbrandbefall und sind häufig nach einigen Jahren wieder völlig gesund.

Die Bakterien zerstören die Leitungsbahnen eines Baumes.

Harald Rammel