Schlagabtausch am Rohrspitz

Vorarlberg / 07.08.2015 • 19:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Auf den Baubescheid wartet Hafenchef Günther Salzmann mittlerweile seit über einem Jahr.

Fußach. (VN-ger) Der Geduldsfaden von Günther Salzmann (54) ist kurz vor dem Zerreißen: „Ich habe bis jetzt nichts gesagt, aber wenn ich nicht bald etwas schriftlich habe, dann tue ich genauso blöd wie ein Hüttenbesitzer, der 720 Meter weit weg ist“, kündigt der Hafenchef an.

Rückblick: Seit rund zwölf Jahren wälzt Salzmann Pläne für die Erweiterung des Salzmann-Hafens in Fußach, doch dem Vorhaben wehte von Anfang an ein rauer Wind entgegen. Im Juli 2010 sammelte schließlich die Bürgerinitiative „Unser Rohrspitz“ 5000 Unterschriften gegen den geplanten Umbau. Knapp ein Jahr später entschied das Land, dass für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist. Da eine solche für den Hafeneigentümer vor allem aus finanziellen Gründen nicht infrage kam, legte er Berufung beim Umweltsenat in Wien ein – ohne Erfolg.

Kleineres Projekt

Im Vorjahr wurde schließlich ein neues, kleiner dimensioniertes Projekt bei
der Bezirkshauptmannschaft Bregenz eingereicht. Darin sind die Hafenanlage mit den 182 Liegeplätzen sowie der Polderdamm von den Baumaßnahmen ausgenommen. Außerdem gehören die ursprünglich geplante Boots-Tiefgarage und das Kleinhotel mit zwölf Doppelzimmern der Vergangenheit an. „Verdienen würde ich mit dem Hafen“, betont Salzmann. 

Die Bauverhandlung fand am 30. Juni 2014 statt und verlief laut Bauherr „eigentlich positiv“. Auf den Bescheid wartet der Fußacher allerdings bis heute.

In Arbeit

Dass ein Bauverfahren so lange dauert, sei durchaus möglich, zumal es sich beim Salzmann-Hafen um kein kleines Projekt handle, sagt Ingomar Wetzlinger, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Umweltschutz in der BH Bregenz und in dieser Woche stellvertretender Bezirkshauptmann. Noch sei das gewerbetechnische Gutachten ausständig, das aber nach dem zweiwöchigen Urlaub des zuständigen Gutachters bald geschrieben werden soll. „Anschließend wird der Bescheid zugestellt“, führt Wetzlinger aus. Geht innerhalb von vier Wochen keine Beschwerde bei der Bezirkshauptmannschaft ein, wird der Bescheid rechtskräftig. Andernfalls wird die Causa an das Landesverwaltungsgericht weitergereicht.

In den vergangenen zwölf Jahren hat Günther Salzmann laut eigenen Angaben bereits 1,2 Millionen Euro für Planungen und Gutachten ausgegeben. Ein Baustart geht sich auch diesen Herbst „garantiert nicht aus. Das wird zu knapp“, bleibt der 54-Jährige realistisch, wenngleich er seinen Widersacher von der 720 Meter entfernten Hütte nicht verstehen kann. „Nur, weil ich Arbeitsplätze schaffe und sich die Leute erholen können“, meint Salzmann und betont: „Wir machen keinen Quadratmeter Schilf kaputt, im Gegenteil: Die Betonflächen werden weniger. Es wird wesentlich besser.“

93 weniger

Am Rohrspitz geplant hat der 54-Jährige ein Multifunktionsgebäude mit Technik- und Lagerräumen, Dusch- und WC-Anlagen, einem Kiosk mit Terrasse, Büros, einer Rezeption und zwei Wohnungen, ebenso wie eine Tiefgarage mit 166 Stellplätzen. Insgesamt würden nach dem Umbau 259 Auto- und zwei Bus-Parkplätze zur Verfügung stehen, Salzmann zufolge um 93 weniger als derzeit. Außerdem soll der Campingplatz um 2700 Quadratmeter vergrößert, die Stellplatz-Anzahl von 169 allerdings nicht erhöht werden.

Die Parkplätze am Rohrspitz sind in privater Hand, 90 Prozent davon gehören dem Chef des Salzmann-Hafens. Selbiges gilt für den Badestrand. „Wir stellen alles zur Verfügung und schauen, dass die Leute auf einem konzentrierten Stück bleiben“, erläutert Salzmann. Derzeit würden seine Mitarbeiter beispielsweise jeden Morgen zwei Kubikmeter Müll zusammensammeln („sieben bis acht Säcke“), den er ebenfalls privat entsorge und zahle. Er, Salzmann, mache das zwar gerne, aber irgendwann verliere selbst er die Geduld. „Dann drehe ich den Spieß um“, droht er.

Dann tue ich eben genauso blöd wie der eine Hüttenbesitzer.

Günther Salzmann
asdf Foto: ???
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Projekt

» Multifunktionsgebäude mit Technik- und Lagerräumen, Dusch- und WC-Anlagen, Kiosk plus Terrasse, Büros, Rezeption, zwei Wohnungen
» eingeschossige Tiefgarage mit 166 Stellplätzen
» Erweiterung des Campingplatzes um 2700 Quadratmeter und Neuordnung der Stellplätze (Anzahl von 169 bleibt erhalten)

» Investition: 5 bis 6 Millionen Euro


asdf

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