„Scheiß Ausländer“: Mann wütet in Flüchtlingsheim

Vorarlberg / 02.09.2015 • 22:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Täter verteilte den gesamten Inhalt des Feuerlöschers im Stiegenhaus.  Foto: Polizei
Der Täter verteilte den gesamten Inhalt des Feuerlöschers im Stiegenhaus. Foto: Polizei

Fremdenfeindlicher Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Polizei ermittelt in alle Richtungen. 

Bregenz. (VN-ger) Die Spuren sind mittlerweile beseitigt, doch der Schock bei den Bewohnern sitzt noch immer tief: „Einige haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Sie machen sich viele Gedanken, wieso jemand so etwas macht“, schildert Martina Jäger (31), Stellenleiterin der Caritas im Unterland am Tag danach. 

Dienstagabend, kurz vor 20.30 Uhr. Ein unbekannter Mann betritt die Flüchtlingsunterkunft im Sandgrubenweg 4 in Bregenz, greift sich den Feuerlöscher an der Wand und macht sich damit auf in den ersten Stock. „Er hat herumgeschrien und Beschimpfungen ausgesprochen“, berichtet die Stellenleiterin. Vieles hätten die Bewohner nicht verstanden, unter anderen soll aber der Ausdruck „Scheiß Ausländer“ gefallen sein.

Als ein Bewohner die Wohnungstür öffnet, aktiviert der Unbekannte – laut Jäger ein deutschsprachiger Mann zwischen 20 und 30 Jahren – den Feuerlöscher und versprüht den gesamten Inhalt im Stiegenhaus. „Es hat wild ausgeschaut“, sagt Jäger. Anschließend flüchtet der Täter in Richtung Rheinstraße. Zurück bleiben ein verwüsteter Hausflur und viele Fragezeichen.

Rufbereitschaft

Einige Bewohner reagieren prompt und alarmieren die Rufbereitschaft der Caritas. Da aufgrund des starken Pulvernebels zunächst nicht klar ist, ob es brennt, rückt neben der Polizei auch die Feuerwehr Bregenz mit drei Fahrzeugen und 20 Mann aus. Personen wurden bei der Attacke nicht verletzt. Das Stiegenhaus wurde durch Löschpulver allerdings stark verunreinigt.

Hausversammlung

Martina Jäger hat am Mittwochmorgen von dem Vorfall erfahren. „Wir haben dann gleich eine Hausversammlung einberufen und mit allen Bewohnern gesprochen. Sie fragen sich, wieso jemand einen solchen Hass auf sie haben könnte, wo sie doch ganz friedlich hier leben. Es wird sicher noch einige Zeit brauchen bis das Ganze aufgearbeitet ist“, erzählt die 31-Jährige.

40 Flüchtlinge

In dem Gebäude, das zuvor von Gemeindebediensteten bewohnt wurde,  sind derzeit knapp 40 Flüchtlinge in insgesamt neun Wohnungen untergebracht, hauptsächlich Männer, aber auch einige Frauen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Die Fahndung nach dem Täter war am Mittwoch noch im Gange. Da laut Polizei ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte, liefen die Ermittlungen in alle Richtungen.

„Keine Toleranz“

Es gebe keine Toleranz bei Gewalt gegen Flüchtlinge, reagiert der grüne Asylsprecher Daniel Zadra auf den Vorfall. „Die Ermittlungen sind abzuwarten. Es besteht aber der Verdacht, dass es sich um einen Einschüchterungsversuch gegen Flüchtlinge handelt. Ich zähle darauf, dass die Polizei die Hintergründe lückenlos aufklärt“, fordert Zadra. Sollte sich zeigen, dass es sich dabei um ein rechtsradikales und gezieltes Vorgehen handelt, sei dies aufs Schärfste zu verurteilen. Das Engagement von vielen Vorarlbergern zeige, wie wir Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror begegnen können. „Lassen wir uns durch solche Aktionen nicht beirren und gehen wir weiter den solidarischen und humanitären Weg. Hass, Gewalt und Hetze haben hier nichts verloren“, betont der Asylsprecher.

Er hat herumgeschrien und Beschimpfungen ausgesprochen.

Martina Jäger
Neben der Polizei rückte nach dem Vorfall auch die Feuerwehr mit 20 Mann aus. Foto: R. Vlach
Neben der Polizei rückte nach dem Vorfall auch die Feuerwehr mit 20 Mann aus. Foto: R. Vlach