Auf dem Weg zur Kuhstylistin

Vorarlberg / 24.09.2015 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Nicole Matt (19), die Tochter eines Rinderzüchters, macht Kühe für Schauen schön.

Schlins. Die junge Frau wuchs auf einem Bauernhof mit vielen Tieren auf. Ihre Eltern betreiben eine große Landwirtschaft in Schlins. Sie züchten Holstein-Rinder. Derzeit stehen bei ihnen 80 Tiere im Stall. Für das Vieh interessierte sich Nicole schon als Kind. Gerne erinnert sie sich daran, wie sie mit ihren Eltern auf Rinderschauen gegangen ist. „Diese Schönheitswettbewerbe für Kühe haben mir sehr gefallen.“

Vom Fieber gepackt

Schon früh dachte sie sich: „Wenn ich erwachsen bin, möchte ich auch mit Tieren arbeiten.“ Deshalb war für sie klar, dass sie die Landwirtschaftsschule besuchen wird. Während der Schulzeit durfte sie auf große Rinderschauen gehen. „Auf diesen Veranstaltungen sehen die Züchter, wo sie mit ihrer Zucht stehen. Sie können sich selber einordnen. Wenn sie Erfolge haben, können sie die Kälber der erfolgreichen Kuh teuer verkaufen“, erklärt Nicole, worum es bei diesen Wettbewerben geht. Fasziniert beobachtete die junge Schlinserin das Geschehen. Mehr noch: Sie war hin und weg. „Mich packte das Fieber, als ich sah, was man aus einer Kuh herausholen kann, wie schön man sie durch richtiges Füttern, Waschen und Scheren machen kann.“ Nun wusste sie, was sie werden wollte: eine Kuhstylistin, die Rinder für Schauen aufhübscht.

Von Profis gelernt

In den vergangenen zwei Jahren verfolgte sie beharrlich ihr Ziel. Sie hielt sich unter anderem drei Monate in Zuchtbetrieben in den USA und zwei Monate in Kanada auf und schaute sich dort die Tricks der Kuhstylisten ab. „Ich konnte mit Profis auf Schauen gehen und von ihnen lernen. Sie zeigten mir, wie man Zuchtkühe optimal auf die Wettbewerbe vorbereitet.“ Laut Nicole fängt es schon beim Füttern an. „Die Tiere bekommen nur Heu und Kraftfutter zu fressen.“ Außerdem müssen die Vierbeiner mehrmals in der Woche gewaschen und regelmäßig mit einer Schermaschine geschoren werden, auch kurz vor der Show. „Bevor man mit der Kuh in den Ring steigt, sprüht man sie mit einem Glanzspray ein und toupiert ihr den Schwanz.“ Nicole weiß: „Diese Arbeit erfordert viel Gespür fürs Tier. Du musst dich mit der Rasse bzw. mit Kühen auskennen und wissen, was die Kuh im Moment braucht. Sie muss sich wohlfühlen, sonst wird sie nicht erfolgreich sein.“

Weltgrößte Rinderschau

Inzwischen vertrauten ihr schon einige Züchter ihre Tiere an – mit Erfolg. Einige der Kühe, die sie herausputzte, gewannen Schauen. „Auch fürs nächste Jahr haben mich schon ein paar Personen gebucht“, freut sie sich. Ihr Plan könnte aufgehen. „Ich möchte das zu meinem Hauptberuf machen und davon leben können. Denn mir gefällt der Job. Ich tue es sehr gern.“

Nicole, die derzeit noch im Betrieb ihrer Eltern angestellt, aber wegen der Schauen viel im Ausland ist, wird in wenigen Tagen zu einer der weltgrößten Rinderschauen nach Amerika reisen. Bei der „World Dairy Expo Madison“ werden circa 2500 Kühe und ihre Züchter um den Sieg ringen. ­