Schlagabtausch um Gemeindeamt

Vorarlberg / 25.09.2015 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Sonntag, 29. November, wird in Lochau über das Gemeindehausprojekt abgestimmt. Fotos: Kuess/Holler, VN/Hartinger
Am Sonntag, 29. November, wird in Lochau über das Gemeindehausprojekt abgestimmt. Fotos: Kuess/Holler, VN/Hartinger

ÖVP und Grüne werben vor Lochauer Volksabstimmung für ihre jeweiligen Vorhaben.

Lochau. Der Termin für die Volksabstimmung um das Lochauer Gemeindeamt ist fix: Am Sonntag, 29. November, werden die Bürger der Leiblachtalgemeinde abstimmen dürfen, ob sie das alte Gemeindeamt sanieren oder lieber ein neues Gemeinschaftshaus bauen möchten. Indes bringen sich die Neubau-Befürworter um Bürgermeister Michael Simma (ÖVP) und die Gegner aus dem Lager der Grünen in Stellung.

Als zukunftsweisend und wertvoll für die Belebung der Ortskerns betrachtet Michael Simma den Plan eines Gemeinschaftshauses anstelle des bisherigen Gemeindeamts. Es würde neben der Verwaltung auch die Polizeistation, die Sparkasse und eine Arztpraxis beherbergen. Der Rathauschef argumentiert, dass früher schließlich auch die Post, eine Bank und die Polizei in dem Gebäude beheimatet waren. Man kehre also zu dem alten Modell eines Gemeinschaftshauses zurück.

„Chance für Lochau“

Zur Ortskernbelebung würde auch die Tiefgarage beitragen, die im Zuge des Neubaus entstünde. „Wir sehen das Haus als Chance für Lochau“, so das Gemeindeoberhaupt. Denn ein Gemeinschaftshaus würde auch einer ansässigen Arztpraxis die Möglichkeit geben, nach dem Umzug in den Neubau barrierefrei zu werden und die Polizeistation käme auf den neuesten Stand.

Grüne kontern

Frank Matt, Gemeinderat der Grünen, kann dem wenig abgewinnen. „Es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde, Räume für Polizei und Sparkasse zur Verfügung zu stellen“, stellt er klar. Er meint, der Ort würde vielmehr profitieren, wenn die Einrichtungen stattdessen in ihren bisherigen Gebäuden blieben. Für eine Arztpraxis müsste im Erdgeschoß eines der vielen Neubauten Platz sein, die derzeit in Lochau entstehen oder geplant sind. „Die Gemeinde tritt ja sonst in Konkurrenz zu den Bauherren“, so Matt. Um das Gemeindeamt barrierefrei zu machen, könne man das Stiegenhaus in den Außenbereich verlegen.

Auch eine Tiefgarage hält Matt für unnötig, sie würde nur für das neue Gemeinschaftshaus gebraucht. „Wir haben einen Parkplatz hinter dem Gemeindeamt, der eher schwach besetzt ist“, sagt der Gemeinderat.

Hauptkritikpunkt der Grünen ist jedoch der Kostenpunkt. Dass eine Sanierung des alten Gebäudes rund 1,7 Millionen Euro kosten würde, dabei sind sich Matt und Simma einig. Bei den Kosten für das Gemeinschaftshaus gehen ihre jeweiligen Einschätzungen jedoch auseinander.

Während die Grünen acht Millionen Euro veranschlagen, erklärt Michael Simma: „das ist der Bruttobetrag“. Netto käme man auf rund 5,9 Millionen Euro und bei der Mehrwertsteuer auch noch etwas heraus. Außerdem würde das Land bis zu 29,5 Prozent fördern. Dazu nehme die Gemeinde Mieten ein. Rund eine Million Euro soll aus Rücklagen der Gemeinde bezahlt, der Rest über Kredite finanziert werden. Rechnet man Darlehenspflichten gegen die Mieteinnahmen auf, dürfte das jährliche Budget nach Schätzung Simmas mit rund 130.000 Euro belastet werden, über 30 Jahre. Es sei jedoch zu erwarten, dass die Mieten steigen, die Zinsen jedoch für mindestens zehn Jahre gleich bleiben.