„Die Schüler kennen sich am besten aus“

27.09.2015 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Junger Mann mit Profil: Sebastian Ratz. Foto: VN/Hofmeister
Junger Mann mit Profil: Sebastian Ratz. Foto: VN/Hofmeister

Ratz will sich für vielfältige Schulautonomie und eine modulare Oberstufe einsetzen.

Bezau. Seit Kurzem ist der Bizauer Sebastian Ratz, Maturakandidat an der Höheren Lehranstalt für Tourismus in Bezau, Vorarlberger Landesschulsprecher für berufsbildende höhere und mittlere Schulen. Das Credo des politisch denkenden Jugendlichen: Die Schüler sollen bei allen schulrelevanten Entscheidungen mehr gehört werden. Auch wünscht er sich eine bessere Feedback-kultur, die vor allem auch die Lehrer auf den Prüfstand stellen soll.

Wie wird man Landesschulsprecher?

Ratz: Ich wurde von meinem Vorgänger gefragt, ob ich ihm nachfolgen wolle. Die Aufgabe hat mich gereizt. Ich habe mich der Wahl gestellt und wurde gewählt.

Sind Landesschulsprecher junge Menschen mit einem Helfersyndrom?

Ratz: Ich kann nur meine Geschichte dazu erzählen. Ich habe mich schon als Kind für andere eingesetzt. Zu Hause holte ich immer wieder das Eis aus dem Tiefkühlschrank, das meine Mutter gekauft hatte. Das habe ich dann an alle Freunde verteilt. Ich bin gerne für andere da, ja.

Was werden deine Schwerpunkte im kommenden Jahr sein?

Ratz: Ich werde mich für eine umfassende Schulautonomie einsetzen. Und zwar Autonomie in finanziellen Belangen, im Bereich Pädagogik und Personalentwicklung. Ein Direktor soll bestimmen können, welche Lehrer er an seine Schule holt. Ebenfalls setze ich mich für eine Modulare Oberstufe ein sowie für mehr Entscheidungskompetenz durch Schüler. Die kennen sich in der Schule am besten aus.

Zum ersten Mal gibt’s nächstes Jahr Zentralmatura auch an den BHS. Was kann man da als Landesschulsprecher zum Gelingen beitragen?

Ratz: Die Zentralmatura beschäftigt die Schüler in der Tat sehr. Ich werde mich im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür einsetzen, dass die neue Form der Reifeprüfung gut vorbereitet wird. Vor allem aber verlange ich mehr Zeit für die Matura-Diplomarbeit. Damit muss man früher beginnen können, nicht dass die Schüler da in einen Stress geraten.

Die wichtigsten Partner der Schüler sind in der Schule natürlich die Lehrer. Gibt’s für dich so etwas wie den Idealtypus eines Lehrers?

Ratz: Idealbilder gibt es immer. Aber ein guter Lehrer ist für mich vor allem einer, der eine Feedbackkultur beherzigt und sich dadurch immer weiterentwickelt. Dadurch kann man im Laufe der Zeit nahe zum Ideal kommen.

Wie politisch muss ein Schulsprecher sein?

Ratz: Ein Schulsprecher sollte über aktuelle bildungspolitische Entwicklungen im Bilde sein. Interesse für Politik hilft für eine eigene Meinungsbildung. Aber in meiner Funktion heißt das genauso, nicht parteipolitisch zu sein. Es geht um die Interessen der Schüler.

Du hast dich im Vorjahr als Schulsprecher für Direktor Andreas Kappaurer eingesetzt, der bösen anonymen Anschuldigungen ausgesetzt war, die nie belegt wurden. Was waren deine Beweggründe dafür?

Ratz: Da ging’s auch um unsere Schule, die ausgezeichnet ist. Direktor Kappaurer konnte alle Anschuldigungen widerlegen. Es war bewundernswert, wie offen und transparent er in dieser Sache agiert hat. Durch sein Verhalten hat er die Schule gestärkt und dem anonymen Briefschreiber musste klar geworden sein, dass er das Gegenteil dessen erreicht hat, was er wollte.

Du bist heuer Maturant und Landesschulsprecher. Wie bringst du das unter einen Hut?

Ratz: Bei mir ist es so, dass ich den Druck brauche. Wenn ich unter Druck stehe, bringe ich meine besten Leistungen. Mit dieser Doppelbelastung kann ich gut umgehen.

Bist du ein streitbarer Typ oder ein Kompromissmensch?

Ratz: Sagen wir so: Ich stehe zu meiner Meinung und bin nur sehr schwer von dieser abzubringen. Es sei denn, jemand hat gute Argumente dagegen.

Zur Person

Sebastian Ratz besucht die 5. Klasse der Höheren Lehranstalt für Tourismus an den Wirtschaftsschulen Bezau. Er ist 18 Jahre alt und kommt aus Bizau. Er hat zwei Brüder und nennt Fußball als sein größtes Hobby.