Wohnungen nicht nur für Flüchtlinge bauen

Vorarlberg / 27.09.2015 • 18:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 19. September 2015.
VN-Bericht vom 19. September 2015.

Private Initiative stellt Pläne vor, wie günstiger Wohnraum für alle geschaffen wird.

Schwarzach. Zelte, Container, Holzbaumodule, fixe Wohnungen – die Vorschläge, Flüchtlingen ein Obdach zu ermöglichen, sind vielfältig. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP, 48) stellte in einem VN-Interview vor zehn Tagen das favorisierte Modell der Landesregierung vor. Die landeseigene gemeinnützige Wohnbaufirma Vogewosi soll Wohnungen aus Holz errichten, mit niedrigen Standards, dadurch sehr günstig. Zunächst sollen in den Kleinwohnanlagen Flüchtlinge unterkommen, anschließend könnten sie für den normalen Wohnungsmarkt offen stehen. Als günstige Sozialwohnungen und so konzipiert, dass sie in Mehrzimmerwohnungen umgebaut werden können.

Der Rankweiler Architekt Andreas Postner (58) hat mit einigen Berufskollegen ein Konzept erarbeitet, das einen Schritt weiter geht. Für Postner steht fest: „Flüchtlingsquartiere müssen als Teil der Gemeindeentwicklung gesehen werden. Echte Integration heißt: Wohnbau für alle.“ Einer der Eckpfeiler: Die Unterkünfte sollen nur gebaut werden, wenn gleichzeitig Sozialwohnungen für die ortsansässige Bevölkerung entstehen.

Das Modell trägt den Titel „Transfer Wohnbau Vorarlberg – gemeinsam leben“. Auf den ersten Blick unterscheidet es sich kaum von den Plänen des Landes. Postner sagt, dass ein Quartier höchstens 30 Flüchtlinge beherbergen sollte, damit Integration funktioniert.

Für Stadt und Land

Die Architekten entwarfen verschiedene Unterkunftstypen, die alle einen ähnlichen Grundriss haben. Die Typen können je nach Umgebung variieren. Es gibt zweistöckige, dreistöckige oder lange Reihenhaus-Module, dazu städtische Projekte mit Flachdach oder Häuser mit Giebeldächern für ländlichere Gegenden. Als wichtigen Bestandteil sehen die Projektautoren interkulturelle Gärten vor.

Etwas mehr als 300.000 Euro soll ein solcher Bau kosten. Ein fortgeschrittener Rohbau: bezugsfertig, aber noch nicht ausgebaut. „Innenausbau für Wände und Decken, Bereiche der Außenfassade und Möbel können von Flüchtlingen unter fachlicher Begleitung selbst erledigt werden. Bauen ist ein elementares Integrationselement“, ist sich Postner sicher. Das Wichtigste sei allerdings, dass die einheimische Bevölkerung nicht vergessen wird.

Etwa 4000 Wohnungssuchende gibt es derzeit im Land. Allein in Dornbirn stehen über 500 Personen auf der Warteliste für gemeinnützige Wohnungen. Deshalb sollen zeitgleich mit den Flüchtlingsunterkünften auch für die ortsansässige Bevölkerung günstige Wohnungen gebaut werden. „Diese Bauten können größer sein und sollen neue Wohnformen enthalten. Von den Kleinwohnungen bis zu Wohngemeinschaften“, erklärt Postner. Nur so sei die Akzeptanz der Bevölkerung gewährleistet. Zudem würden so mehr leistbare Wohnungen mit niedrigen Standards auf den Markt kommen.

Fast ein Jahr arbeiteten die Proponenten an diesem Modell, mittlerweile wurde es dem Land vorgestellt: „Bisher waren alle begeistert. Nun braucht es jemanden, der die Sache in die Hand nimmt und zu bauen beginnt.“ Die Pläne stehen, schon heute könnte die Arbeit mit Prototypen gestartet werden. Wer das Projekt betreibe, sei nicht so wichtig. Ob Land, Gemeinden oder gemeinnützige Bauträger, es sei nur wichtig, bald zu starten.

Bauen ist ein elementares Integrationselement.

Andreas Postner

Selbst zu bauen ist ein elementares Integrationselement.

Andreas Postner