Kraftwerk erst mit Verspätung

Vorarlberg / 28.09.2015 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Niedriger Strompreis bremst Kraftwerks­pläne in Lochau. Behördenverfahren erst 2017.

lochau. Der Zeitplan war optimistisch. Heuer sollte die Umweltverträglichkeitsprüfung starten. Spätestens 2016 hätten die Bagger für den Bau des Kraftwerks Lochau auffahren sollen. Der Plan ist überholt. Seit die Erzeugerpreise für Strom im Keller sind, hat das Kraftwerk am Pfänderhang an Priorität verloren, wie Peter Matt, Chefingenieur der illwerke vkw, auf VN-Anfrage erklärt. „Bei den derzeitigen Preisen ist es schwierig, so ein Projekt überhaupt zu finanzieren.“

Die Rentabilität bremst die Kraftwerkspläne in Lochau. Die Planungen würden aber weiterlaufen. An Bedeutung habe das Kraftwerk nichts verloren, versichert der für das Projekt verantwortliche Ingenieur. „Das Kraftwerk ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Energieautonomie des Landes, und es wäre eine große Chance für die Bregenzerach“, spricht Matt von einer Win-win-Situation. So könnte der ökologische Zustand der Bregenzerach verbessert werden, ist man beim Energieerzeuger überzeugt. Mit jährlich 125 Giga-Watt-Stunden würde das Kraftwerk Strom für etwa 25.000 Haushalte (praktisch ganz Bregenz) liefern.

Umfangreiche Vorplanungen

Ursprünglich sahen die Planer die größten Herausforderungen in den ökologischen Aspekten. So wurden mehrere Varianten untersucht. Am Ende hatte sich der Energieversorger auf ein Kavernenkraftwerk im Pfänderhang bei Lochau festgelegt. Das Wasser soll der Bregenzerach beim Speicher Bozenau entnommen werden und über einen etwa zehn Kilometer langen Druckstollen unter dem Pfänderstock zum Kavernenkraftwerk geführt werden. Die Rückgabe des Wassers in den See soll im Bereich Klause erfolgen.

Kein K.-o.-Kriterium

Mittlerweile habe es umfangreiche Abklärungen gegeben, was die Grundwasserproblematik und die Folgen für den Bodensee betrifft, erklärt Chefingenieur Peter Matt. Diese sind größtenteils vielversprechend verlaufen. Ein K.-o.-Kriterium für das geplante Kraftwerksprojekt sei bei keiner der relevanten Fragestellungen aufgetreten. So wären laut externen Experten keine Schäden für die Trinkwasserentnahmen in Bregenz, Lauterach und Hard zu erwarten. Umfangreich sind auch die Untersuchungen, wo das Achwasser zurück in den See geleitet werden sollte und welche Folgen das haben könnte. Simulationen hätten gezeigt, dass die geringsten Auswirkungen in etwa 20 Metern Tiefe im Bereich der Klause zu erwarten wären. Expertenteams sind längst mit der „Internationalen Gewässerschutzkommission Bodensee“ und den Wasserwerken in Kontakt. Freilich brauche es für eine anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) weitere Untersuchungen, aber ein Ausschlusskriterium sei auch hier bisher nicht aufgetreten. Das macht Peter Matt optimistisch. „Jetzt sind wir dabei, die umfangreichen Unterlagen für ein UVP-Vorprüfungsverfahren zusammenzustellen.“ Frühestens Ende 2017 soll es so weit sein. Dann sollen die Behördenverfahren anlaufen. Sie werden zeigen, ob das Kraftwerk umwelttechnisch überhaupt möglich ist.

Wirtschaftliche Prüfungen

Grünes Licht für den Baustart des Großprojekts würde aber auch ein positiver Verfahrenslauf nicht automatisch bedeuten. „Wir wissen nicht, wie sich die Strompreise in Zukunft entwickeln werden“, sagt Peter Matt. Deshalb müsse das Projekt dann auch wirtschaftlich genau geprüft werden.

Die Strompreisentwicklung hat den Zeitplan verändert.

Peter Matt, illwerke vkw