Schicksal akzeptieren lernen

Vorarlberg / 29.09.2015 • 19:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jasmin Bergthaler mit ihrer Tochter Larissa. Die beiden eint ein starkes Band.  Foto: Bernd Hofmeister
Jasmin Bergthaler mit ihrer Tochter Larissa. Die beiden eint ein starkes Band.  Foto: Bernd Hofmeister

Familie Bergthaler hat ein Kind, das alle paar Tage einen epileptischen Anfall hat.

Vandans. Im August starb ihr 15-jähriger Neffe an Krebs. Seither ist sie sich nicht mehr sicher, ob es einen Gott gibt. „Ich überlege, ob es ihn gibt.“ Schon vorher hatte Jasmin Bergthaler (34) mit dem Herrgott gehadert. Denn er bescherte ihr ein krankes Kind. „Ich habe ihn nach dem Warum gefragt, warum gerade mein Kind?“

Die Montafonerin wusste bereits mit 16, dass sie einmal Mutter werden will. „Mir war schon damals klar: Sobald ich ausgelernt und den richtigen Mann gefunden habe, möchte ich zwei Kinder.“ Mit 28 wurde ihr Traum wahr. Ihre erste Tochter, Larissa, kam zur Welt. Doch das Glück wich schnell der Angst. Gerade sieben Wochen alt, bekam Larissa ihren ersten epileptischen Anfall. Die Eltern bangten um das Leben ihres Kindes. Mit Schaudern erinnert sich Jasmin, dass Larissa damals einen zehnminütigen Atemstillstand hatte und eine Woche auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfte. Es blieb nicht bei diesem einen Anfall. „Anfangs hatte sie alle acht bis zehn Tage eine Attacke, später alle zwei bis drei Tage. Wir hatten jeden Monat den Notarzt im Haus.“ Die Ärzte diagnostizierten eine therapieresistente Epilepsie. „Sie meinten, dass unser Kind irgendwann einen Anfall haben wird, der der letzte sein wird.“ Die Erleichterung ist bei den Eltern jedes Mal groß, wenn ihr Kind eine Krampfattacke heil überstanden hat. Jede ist eine Herausforderung für die Familie. „Da ist immer die Angst da, dass Larissa sie nicht überleben könnte.“

Eine Prüfung

Aber die Bergthalers haben damit zu leben gelernt. Die Anfälle, unter denen ihr Kind leidet, gehören zu ihrem Alltag. Zum Alltag gehört auch, dass die mittlerweile sechsjährige Larissa wie ein kleines Kind betreut werden muss. „Sie hat einen Entwicklungsrückstand und ist auf dem Stand eines eineinhalbjährigen Kindes“, macht die Mutter klar, dass Larissa nicht reden, nicht gehen und nicht selbstständig essen kann und gewickelt und angezogen werden muss. Das zu akzeptieren, fällt ihr nicht immer leicht. „Wenn ich andere Mütter sehe, deren Kinder übermütig herumrennen, denke ich: ,Es wäre schön, wenn das Larissa auch könnte“. Doch Jasmin ist auf dem besten Weg, ihr Schicksal zu akzeptieren. „Es braucht Zeit. Die Akzeptanz kommt nicht von heute auf morgen, sie kommt erst mit den Jahren.“ Larissa ist eine große Aufgabe für sie, die ihren Alltag bestimmt. „Ich habe diese Prüfung bekommen. Jetzt muss ich sie bestehen.“ Freilich: Manchmal weiß die Mutter nicht, wo sie die Kraft dafür hernimmt. „Aber anscheinend habe ich sie.“ Aus den Liebesbezeigungen ihres Kindes schöpft die leidgeprüfte Frau Kraft. „Wenn Larissa heimkommt und mich drückt und küsst, dann entschädigt mich das für vieles.“ Jasmins Stärke reicht sogar noch für ein zweites Kind. Vor vier Jahren schenkte sie Sophia das Leben. „Sie ist gesund. Das ist ein großes Geschenk.“ Die Kinder haben die Vandanserin verändert. Larissa hat sie gelehrt, dass jeder Tag kostbar ist. „Man weiß nie, wann es der letzte ist.“ Seit sie da ist, regt sich Jasmin nicht mehr über Kleinigkeiten auf. Seither ist für sie auch nichts mehr selbstverständlich. „Man sollte es schätzen, dass man morgens ohne Hilfe aufstehen kann.“ Auch Sophia, ihrer gesunden Tochter, ist sie dankbar. Sie hat Normalität in ihr Leben gebracht.     

Freitag, 2. Oktober, Latschau, 17.30 bis 20.30 Uhr: GenussGondeln, Karten gibt es bei den Raiffeisenbanken oder im Montafoner Hof Tschagguns; Samstag, 3. Oktober, Golm, ab 10.30 Uhr: Golfturnier auf der Anita-Wachter-Strecke.