Bedingte Haft für Alkolenker

Vorarlberg / 30.09.2015 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Unfall ereignete sich am 3. Juni 2015 in der sogenannten Höchster „Eselschwanzkurve“. Foto: VOL.AT/Pletsch
Der Unfall ereignete sich am 3. Juni 2015 in der sogenannten Höchster „Eselschwanzkurve“. Foto: VOL.AT/Pletsch

Motorradlenker musste nach Kollision Unterschenkel amputiert werden.

Feldkirch. (ec) Anfang Juni passierte in Höchst in der sogenannten „Eselschwanzkurve“ ein schwerer Unfall. Es war kurz nach Mittag und der 67-jährige Gaißauer war zu einer kleinen Ausfahrt mit seinem Motorrad aufgebrochen. „Ich kenne diese unübersichtliche Kurve schon ewig, es ist dort schon viel passiert, erlaubt sind 60 km/h. Diese Geschwindigkeit habe ich sicher nicht überschritten“, so der Mann, der damals so schwer verunglückte.

„Nur noch ein Schatten“

Danach kann er sich nur noch an einen Schatten erinnern, an sonst nichts mehr. Er versichert, dass er ganz rechts gefahren sei und die Kurve garantiert nicht geschnitten habe.

Der angeklagte 25-jährige Osteuropäer, der als Reinigungskraft arbeitet, schildert die Situation anders. Auch er versichert, dass er keinesfalls auf die Gegenfahrbahn geraten sei. Dass er 0,8 Promille hatte, bewies ein Alkoholtest. Diesen Wert kann sich die Verteidigung nicht erklären, denn sein Mandant bleibt dabei, lediglich eineinhalb Flaschen Bier getrunken zu haben. „Ich bin rund 45 km/h gefahren und war ganz rechts“, beharrt der Angeklagte. Allein mit diesen zwei Aussagen hätte sich die Sache nicht entscheiden lassen. Den Durchbruch brachte der Lenker, der hinter dem schwarzen Golf fuhr. Er war sich nämlich sicher, dass er bereits zuvor beobachtet hatte, dass der Golflenker auf die Gegenfahrbahn geraten war. Dann beobachtete der nachfolgende Lenker ein zweites Mal, dass der Vordermann nach links lenkte, unmittelbar danach krachte es. Auch wenn es dem unbeteiligten Zeugen nicht leicht fiel, Fragen nach Entfernungen und Wahrnehmungen zu beantworten, bei den wesentlichen Punkten war er sich sicher. Somit sprach das Gericht den Alkolenker wegen fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen schuldig und legte als Strafe vier Monate bedingte Haft plus 3600 Euro unbedingte Geldstrafe fest.

Teilschmerzensgeld

Dem Motorradlenker schuldet der Verurteilte 3000 Euro Teilschmerzensgeld. Die Verteidigung findet das Urteil falsch und legt Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Ein umfangreicher Zivilprozess wird weitere finanzielle Folgen zu klären haben. „Bislang hat die Versicherung meinem Mandanten trotz mehrmaliger Aufforderung noch keinen Euro bezahlt“, gibt Günther Tarabochia, Vertreter des Motorradlenkers, an.