Geplante Schlepperei als Freundschaftsdienst

01.10.2015 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Prozess um geplanten illegalen Transport von Syrern nach Holland wurde vertagt.

Feldkirch. Die beiden Flüchtlinge aus Syrien schlugen sich erst bis in die Türkei durch. Von dort überquerten sie in einem Schlauchboot das Meer bis nach Griechenland. Lkw, Taxis und ihre eigenen Beine führten sie dann durch Mazedonien und Serbien bis nach Wien. Per Zug erreichten sie schließlich Vorarlberg.

„Insgesamt jeweils 3500 Euro haben wir für die Schlepper bezahlt“, sagt nun einer der Syrer als Zeuge vor Richter Martin Mitteregger am Landesgericht Feldkirch aus. Er und der zweite Syrer, sein Cousin, befinden sich derzeit in einem Asylverfahren und deshalb noch im Flüchtlingsstatus. Die beiden sollen Licht auf die Vorgänge in Dornbirn Anfang Juni dieses Jahres werfen. Es geht um einen Schlepperprozess.

Der Erstangeklagte ist ein 29-jähriger Rumäne, er lebt in Dornbirn, arbeitet als Mechaniker und ist befreundet mit einem 23-jährigen Syrer aus Damaskus, dessen Asylverfahren bereits mit einem positiven Bescheid abgeschlossen worden ist – und der als Zweitangeklager vor Gericht steht. Denn von den beiden genannten Flüchtlingen ist einer sein Bruder, der andere sein Cousin.

„Er wollte kein Geld“

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, dass sie die beiden Syrer im Juni von Dornbirn nach Holland schleppen wollten. Gegen ein Entgelt in der Höhe von 400 Euro. Ein strittiger Punkt. Denn alle Angeklagten und Zeugen sprechen von einer „Gefälligkeit“.

„Mein Freund wollte kein Geld“, beteuert der Zweitangeklagte laut Übersetzung des Dolmetschers. „Nachdem mein Bruder und mein Cousin in Feldkirch angekommen waren, gingen wir in Dornbirn in der Nähe des Bahnhofs spazieren. Dort habe ich meinen Freund zufällig getroffen. Erst haben wir Witze gemacht und dann habe ich es gewagt, ihn zu fragen, ob er meine Verwandten nach Holland fahren könnte.“ Heute würde es ihm leid tun, dass sich der Rumäne deswegen nun in solchen Schwierigkeiten befindet. „Ich fühle mich weder schuldig noch unschuldig, ich wollte nur meinem Bruder und meinem Cousin helfen.“ Der Erstangeklagte bestätigt, damals kein Geld verlangt zu haben. „Als wir dann aber losfuhren, steckte er mir 400 Euro in die Ablage der Türe.“ Die Reise endete bereits in Hörbranz. Eine Polizeistreife zog den Pkw aus dem Verkehr.

Differenzierte Aussagen

Richter Mitteregger will nun wissen, weshalb ausgerechnet Holland zum Ziel der Flüchtlinge auserkoren wurde. Denn laut den Aussagen der Flüchtlinge hätte der syrische Zweitangeklagte ihnen zunächst nahegelegt, in der Alpenrepublik zu bleiben. „Kommt zu mir nach Dornbirn, Österreich ist ein schönes Land“, hätte er gesagt. Nun sei es aber so gewesen, dass der Vater eines der Syrer in Holland lebe, krank sei und seine Hilfe brauche. Also deshalb die Niederlande.

Der Richter vertagt die Verhandlung wegen eines Rechtshilfeersuchens an die deutsche Polizei. Denn auch das Lindauer Kriminalamt hatte die Syrer damals wegen dieses versuchten Schleuserdelikts vernommen und dabei völlig andere Aussagen protokolliert. Und eben die will sich der Richter genauer unter die Lupe nehmen.

Ich wollte nur meinem Bruder und meinem Cousin helfen.

Der Zweitangeklagte