„Ho, bei Gott, ma richt’s“ als Credo

01.10.2015 • 18:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Walter Baur, Vroni Hofer und Otto Hofer (v. l.): Im Einsatz für den Lustenauer Dialekt.  Foto: VN/Hartinger
Walter Baur, Vroni Hofer und Otto Hofer (v. l.): Im Einsatz für den Lustenauer Dialekt.  Foto: VN/Hartinger

Wer als Nicht-Lusten­auer über Lustenau spricht, landet bald bei der Sprache.

lustenau. „Ho, bei Gott, ma richt’s“, heißt das Glaubensbekenntnis der Lustenauer, das sich in einem Gedicht des großen Heimatdichters Hannes Grabher wiederfindet. Doch ob diese unverwechselbare, Ur-Lustenauer Haltung in Bezug auf die eigene Sprache auf lange Sicht noch Gültigkeit haben wird, ist fraglich. Die Globalisierung hat auch den Dialekt heimgesucht, viele Lustenauer Kinder und Jugendliche sprechen kaum mehr „Luschnouarisch“. Entertainer Otto Hofer (75), seine Frau und „Luschnouar Bühne“-Seele Vroni Hofer (64) sowie Walter Baur (72), Herausgeber des Lustenauer Wörterbuches, machen sich Gedanken.

Die kleinen Wörter

„Ich war als Erstklässler vor 65 Jahren noch mit 41 anderen Buben in einer Klasse. Da konnten nur zwei nicht Lustenauerisch – weil sie nicht aus Lustenau kamen. Heute hast du in einer Lustenauer Schulklasse schon 50 Prozent Nicht-Lustenauer.“ Für Vroni Hofer ist es mehr das Fernsehen als die Herkunft, das dem Dialekt zu schaffen macht. „Dafür reden sie heute besser Deutsch“, glaubt die Theater-Dame. Es seien viele „kleine“ Wörter, die einfach aus dem Lustenauerisch verschwinden. „Statt ‚nät‘ sagt man ‚g’rade noch‘, oder statt ‚gad‘ sagt man ‚nur‘.“ Man habe am Anfang gar nicht gemerkt, wie sich die Sprache verändert, bemerkt Otto Hofer, dessen Lustenauer Anekdoten und Sprüche die Besucher in Vorarlberger Veranstaltungssälen stets zu Lachsalven hinreißen.

Otto und sein Sohn

Längst vorbei sind die Zeiten, als man den Schülern in der Schule verbieten wollte, Lustenauerisch zu reden. Heute würde man gerne den einen oder anderen dabei ertappen. „Die jungen Leute sind durchaus für den Dialekt zu begeistern“, sagt Otto Hofer. Und erzählt von seinem Sohn, bei dem er eines Tages Anflüge von „Bödeledeutsch“ entdeckte und ihn zur Rede stellte. „Er sagte mir, er müsse sich in Innsbruck anpassen. Ich sagte ihm: ‚Das musst du nicht.‘ Später, als er auch auswärts wieder Lustenauerisch redete, stellte er fest, dass sich die anderen dafür interessieren.“

Früher, in der Schule

Walter Baur hat sich dem Dienst am Lustenauerischen seit Jahrzehnten verschrieben. In der Schule schon beschäftigte der pensionierte Lehrer und Direktor seine Schützlinge mit Dialektwörtern und ließ sie Nachforschungen bei Eltern und Großeltern anstellen. Sein Lustenauer Wörterbuch ist zu einem beliebten Nachschlagwerk geworden. „Natürlich kommen da viele Wörter vor, die nicht mehr verwendet werden, weil  die damit bezeichneten Dinge und Tiere heute nicht mehr vorkommen“, bedauert Baur. Zuletzt hat er Sagen über die Marktgemeinde gesammelt. 13 an der Zahl sind es geworden. „Die wollen wir dann in den Dialekt übersetzen und auf eine CD sprechen“, beschreibt der ehemalige Pädagoge die weiteren Schritte des Projekts.

Dialekt-Bewahrer

Was Baur, Otto und Vroni Hofer immer wieder Rätsel aufgibt: Warum gibt es einerseits Lustenauer, die einst Dialekt sprachen und durch Aufenthalte außerhalb von Lustenau ihre Sprache aufgaben? Und warum gibt es andere Söhne und Töchter der Rhein-Kommune, die trotz jahrelanger Abwesenheit den Dialekt in erfrischender Selbstverständlichkeit jederzeit sprechen, wenn sie nur wollen? „Ich bin jedenfalls stolz, wenn ich im Land als Lustenauerin identifiziert werde“, sagt Vroni Hofer fast trotzig. „Es ist ja oft so“, fällt Walter Baur ein, „dass die Nicht-Lustenauer den Lustenauern gerne zuhören, wenn die in einer gemischtsprachigen Gruppe sich miteinander im Dialekt unterhalten.“

Die Lichtgestalten

Otto Hofer berühren jene Kinder, die er noch beim Sprechen des Lustenauer Dialekts entdeckt. „Wenn ich in der Begegnungsstätte  W.o.r.t Lesungen halte und das höre, ist das schon schön.“ Bei aller Dialektliebe gibt es aber auch die unerbittlichen Sprach-Fetischisten. Otto Hofer erzählt von einem Besucher seiner Auftritte, der ihm wenig humorvoll gedroht habe, dass er jeden Dialektfehler notieren werde. Vereint sind die drei Granden des Lustenauer Dialekts in ihrer Bewunderung für die Lichtgestalten der örtlichen Dichtkunst. Hannes Grabher hat mit seinen Gedichten Seele und Wesen des alten Lustenau ebenso treffsicher eingefangen, wie das Benno Vetter mit seinen Romanen und Bühnenstücken tat. „Der Lustenauer Dialekt wird weiterleben“, sind die Hofers und Walter Baur überzeugt.

Ich bin immer stolz, wenn man mich außerhalb von Lustenau als Lustenauerin identifiziert.

Vroni Hofer

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