Wo Kinder hoffen lernen

Vorarlberg / 01.10.2015 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Misshandelten, verstoßenen, verwaisten Buben wird im Muditha-Kinderheim eine positive soziale Entwicklung ermöglicht.  Foto: Costalanka
Misshandelten, verstoßenen, verwaisten Buben wird im Muditha-Kinderheim eine positive soziale Entwicklung ermöglicht. Foto: Costalanka

Harder Hilfswerk verhilft Kindern in Sri Lanka zu Bildung und Selbstständigkeit.

Heidi Rinke-Jarosch

schwarzach, hard. (VN-hrj) Wilbagedara Gnanissara ist müde. Kein Wunder. Der 47-jährige buddhistische Mönch aus Sri Lanka ist fast zwölf Stunden im Flieger gesessen und vom Obmann des Kinderhilfswerks Costalanka, Siggi Wiehl, direkt vom Flughafen in die VN-Redaktion gebracht worden.

Wilbagedara Gnanissara führt das Muditha Kinderheim für Buben in Hettipola, eine Ortschaft 200 Kilometer östlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Dieses Heim, und ein anderes für Mädchen in der Küstenstadt Bentota, werden von Costalanka mit Hilfsprojekten und Patenschaften unterstützt. Die meisten im Muditha-Kinderheim lebenden etwa 50 Buben im Alter von fünf bis 18 Jahren sind – wie zwei Drittel der Inselbevölkerung – buddhistische Singhalesen. „Bei uns sind aber auch Tamilen, die dem Hinduismus angehören, sowie Christen und Muslime“, informiert Gnanissara und betont gleichzeitig, dass Ethnie und Religionszugehörigkeit in seinem Kinderheim keine Rolle spielen.

Fast alle Kinder seien bei ihrer Aufnahme traumatisiert, berichtet er. Die einen wurden körperlich und seelisch misshandelt, andere von den Eltern verstoßen. Auch gibt es Vollwaisen und Halbwaisen. Rechnen, Schreiben, Lesen lernen die Kinder in staatlichen Schulen. Die Persönlichkeitsbildung der Buben im Heim ist durch den Leiter entsprechend buddhistisch geprägt. „Im Alter von 18 Jahren sollten die Buben das Heim verlassen und ihr eigenes Leben führen“, sagt Gnanissara. Die meisten gehen. Aber manche ziehen es vor, zu bleiben. Zumindest noch eine Weile.

Siggi Wiehl (63) wurde auf das Muditha-Kinderheim vor 13 Jahren über einen einheimischen Freund aufmerksam. „Schon das erste Zusammentreffen mit dem Leiter Wilbagedara Gnanissara war voller Vertrauen“, sagt Wiehl. Der Mönch bestätigt das. Zuvor habe er allerdings keine Erfahrung mit Europäern gehabt, die da herkommen und helfen wollen. „Anfangs glaubte ich auch gar nicht, dass Siggi es ernst meint und wiederkommen wird.“  

Wiehl meinte es ernst. Er kam zurück und schlug vor, wie Costalanka helfen könnte, diesen Kindern eine positive Entwicklung zu ermöglichen. „Wir wollen vor allem erreichen, dass die Kinder in Sri Lanka bleiben und dort zu tragenden Pfeilern der Gesellschaft heranwachsen können“, sagt Wiehl.

Verantwortung tragen

Zuallererst wurde der Neubau des desolaten Heimgebäudes in Angriff genommen. Dann folgte die Förderung der sozialen und beruflichen Entwicklung der Kinder. Vermittelt wird unter anderem Verantwortung zu tragen. „Das beginnt damit, dass die Älteren auf die Jüngeren schauen“, sagt Gnanissara.

Inzwischen startete Gnanissara mit Unterstützung des Hilfswerks im Bubenheim ein Landwirtschaftsprojekt: Produktion und Handel von Ingwer. Die Felder werden von den Kindern bewirtschaftet, wobei im Vordergrund Erziehung und Bildung stehen: „Die Buben verfolgen den Prozess des Pflanzens, der Pflege und Ernte und lernen dabei, auf die Pflanze wie auf das eigene Leben zu achten“, erklärt Wiehl. „Dabei erkennen sie, dass es Hoffnung gibt. Denn Landwirtschaft ist Hoffnung.“

Fast alle Kinder sind bei ihrer Aufnahme traumatisiert.

Wilbagedara Gnanissara

Costalanka Hilfswerk

Ziel: Buben und Mädchen in je einem Kinderheim in Sri Lanka zu einer soliden Lebensgrundlage zu verhelfen.

Team: Siggi Wiehl (Obmann), Anita Rinner, Conny Amann, Wolfram Hager

Die Spenden und Mittel gehen zu 100 Prozent an die Heime.

Patenschaften: 25 Euro pro Monat. jederzeit kündbar.

Info: www.costalanka.com