Ärztefehler sind eine teure Sache

02.10.2015 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Aktenberge auf dem Schreibtisch von Patientenanwalt Alexander Wolf nehmen zwar nicht zu, aber auch nicht wirklich ab. Foto: vn
Die Aktenberge auf dem Schreibtisch von Patientenanwalt Alexander Wolf nehmen zwar nicht zu, aber auch nicht wirklich ab. Foto: vn

Patientenanwalt berichtet von enorm gestiegenen Schadenersatzzahlungen.

Bregenz. (VN-mm) Fast zwei Millionen Euro an Schadenersatz wurden im vergangenen Jahr an Krankenhauspatienten aufgrund von Behandlungsfehlern ausbezahlt. „Das war nach Wien die zweithöchste Summe im Bundesländervergleich“, rechnete Patientenanwalt Alexander Wolf bei der Präsentation der Jahresberichte für 2013 und 2014 vor. Die Steigerung im Vergleich zu 2013 (1,2 Millionen Euro) ist durch die Schwere der Fälle begründet.

Dazu zählten kindliche Behinderungen nach Geburtskomplikationen sowie massive Nervenverletzungen und Infektionen nach operativen Eingriffen. In vier Fällen etwa erhielten Betroffene über 100.000 Euro zugesprochen. Im Durchschnitt dauert ein Verfahren eineinhalb Jahre. Die Verhandlungsbasis mit den Versicherungen bezeichnete Wolf als gut. „Auch sie wollen außergerichtliche Lösungen“, bestätigte er.

Ebbe im Entschädigungsfonds

Im Entschädigungsfonds, aus dem Patienten bedient werden, wenn die Haftung nach einer Komplikation nicht eindeutig gegeben ist, zeichnet sich hingegen langsam Ebbe ab. Pro Jahr werden von den Patienten rund 240.000 Euro in diesen Fonds einbezahlt. Pro Belegstag gehen 0,73 Euro an den von der Patientenanwaltschaft verwalteten Topf. Zwischenzeitlich sind aber die Auszahlungen höher als die Einnahmen, auch weil die Belegstage weniger werden. „Bislang konnten wir auf Reserven zurückgreifen. Die sind jedoch bald erschöpft“, verknüpfte Alexander Wolf diese nüchterne Feststellung mit der Forderung nach einer Neuregelung.

Sein Vorschlag: Den Patientenanteil auf einen Euro zu erhöhen oder eine Solidargemeinschaft zu bilden, in deren Rahmen etwa Versicherungen, Krankenhausträger und Pharmaindustrie ihren Beitrag zum Fonds leisten. Wobei Wolf letztere Lösung präferiert, da es nicht einzusehen sei, dass Patienten ihre im Spital erlittenen Schäden selbst zahlen müssten. Nachsatz: „Was sie derzeit tun.“

Mehr Kompetenz gefordert

Außerdem sollte das System der Entschädigung nach Meinung des Patientenanwalts nicht allein nur für Spitals­patienten, sondern ebenso für Patienten im niedergelassenen Bereich gelten. „Es kann auch dort bei Untersuchungen etwas passieren“, begründete Alexander Wolf. Aus dem niedergelassenen Bereich landen jährlich etwa 30 Patientenbeschwerden auf seinem Tisch. Zwar besteht in Vorarlberg aufgrund einer Regelung mit der Ärztekammer eine Zuständigkeit für die Patientenanwaltschaft. Allerdings hat sich nur rund die Hälfte der niedergelassenen Ärzte diesem Kooperationsvertrag angeschlossen. „Im Sinne der Patienten sollte der Bund endlich Regelungen für eine gesetzlich normierte Zuständigkeit auch für diesen Bereich erlassen“, deponierte Wolf neuerlich eine von den Patientenanwälten schon seit Jahren immer wieder erhobene Forderung.

Die Aktenberge auf dem Schreibtisch von Patientenanwalt Alexander Wolf nehmen zwar nicht zu, aber auch nicht wirklich ab. Foto: vn
Die Aktenberge auf dem Schreibtisch von Patientenanwalt Alexander Wolf nehmen zwar nicht zu, aber auch nicht wirklich ab. Foto: vn

Fakten

2013

» Neuanträge: 490

» davon Krankenanstalten: 382

» Pflegeheime: 10

» Schadenersatz: 1,2 Millionen Euro

» Entschädigung: 280.000 Euro

2014

» Neuanträge: 483

» davon Krankenanstalten: 365

» Pflegeheime: 9

» Schadenersatz: 1,9 Millionen Euro

» Entschädigung: 314.000 Euro