Koalition verliert an Wählerstimmen

Vorarlberg / 02.10.2015 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlbergs Regierungsparteien verlieren in der Koalition an Zustimmung. FPÖ holt mächtig auf.

SCHWARZACH. Wenn am Sonntag Wahlen wären, wen würden Sie wählen? Diese Frage stellten die VN Vorarlbergs Wählern. Verglichen mit dem Ergebnis der Landtagswahl 2014 lässt sich feststellen: Den Regierungsparteien ÖVP und Grüne bekommt die Koalition nicht gut. Beide Parteien haben innerhalb eines Jahres an Zustimmung verloren. Die ÖVP fällt der Umfrage zufolge unter 40 Prozent, die Grünen von 17 auf 13 Prozent. Profitiert haben die Freiheitlichen, die an der 30-Prozent-Marke kratzen.

Diese Ergebnisse lassen sich nicht nur auf die Landespolitik reduzieren, wie die vom Berndt-Institut durchgeführte VN-Umfrage ergab. Wie bei der Oberösterreich-Wahl vor einer Woche und den Umfragewerten zur Wien-Wahl festzustellen ist, spielt auch in Vorarlberg die Bundespolitik und die aktuelle Flüchtlingssituation eine entscheidende Rolle. Befragt nach den Motiven stellt sich heraus, dass den Grünen durchaus landespolitische Vorwürfe gemacht werden.

Grüne verlieren ein Viertel

Wären am Sonntag Wahlen, würde sich der Juniorpartner in der Landesregierung auf einen kräftigen Verlust gefasst machen müssen. Vor einem Jahr wählten 17 Prozent der Wähler die Grünen, bei der aktuellen Umfrage sind es 13 Prozent. Das hieße, dass fast jeder Vierte, der im September 2014 grün wählte, sich diesen Sonntag anders entscheiden würde. Die Wähler werfen den Grünen Opportunismus vor. Die Partei würde ihre Prinzipien über Bord werfen, um an der Macht zu bleiben. Die Zustimmung zu Projekten – wie der Tunnel in Feldkirch und die Z-Variante in Lustenau – wurden als Gründe genannt. „Für mannigfache Wähler hat diese Partei ein Vertrauensproblem“, analysiert Marktforscher Edwin Berndt.

Wären am Sonntag Wahlen, würde auch die Partei von Landeshauptmann Markus Wallner (48) verlieren. Die ÖVP käme auf 38 Prozent. Verglichen mit der Landtagswahl 2014 würde dies ein Minus von fast vier Prozent bedeuten. Laut VN-Umfrage kämpft die Volkspartei überdurchschnittlich stark mit der Performance der Bundesregierung. „Die Euphorie der Steuerreform ist längst verpufft. Die Vorarlberger Volkspartei leidet stark unter dem Verhalten ihrer Partei auf Bundesebene“, sagt Berndt.

Wären am Sonntag Wahlen, hätten die Freiheitlichen eine große Party zu feiern. Mit 28 Prozent würden sie im Vergleich zur Landtagswahl 2014 über vier Prozent zulegen. Die VN-Umfrage hat ergeben, dass nicht nur die Flüchtlingssituation und die Bundespolitik Grund für den Höhenflug sind. Ungelöste Verkehrsprobleme, fehlende Kinderbetreuungs-Plätze, teure Wohnungen – alles Themen, die der stärksten Oppositionspartei laut Umfrage weitere Stimmen beschert.

Die Vorarlberger SPÖ kann die wachsende Unzufriedenheit mit der Landesregierung nicht nützen. In der aktuellen Sonntagsfrage stehen die Sozialdemokraten weiter bei neun Prozent. Auch die Neos würden ihr Ergebnis halten.

Wenn an diesem Sonntag Wahlen wären.

Der Erhebungszeitraum für die VN-Umfrage lag zwischen 25. und 30. September 2015. Die Befragungsformen: „Face to Face“ 78, Online zwölf und per Telefon zehn Prozent. Es erfolgte eine proportionale Verteilung der Interviews auf sämtliche Landesteile. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 1,4 bis 3,8 Prozent.