Schädel-Hirn-Trauma nach Attacke

Vorarlberg / 02.10.2015 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Herbstmarktbesucher in Rankweil schwer verletzt, Gast zu bedingter Haft verurteilt.

Christiane Eckert

Feldkirch. Vergangenes Jahr besuchte der 38-jährige Kraftfahrer den Herbstmarkt in Rankweil. Er aß gemütlich Kässpätzle und löschte seinen Durst. Als er ziemlich angetrunken aufs WC wollte, bekam er plötzlich einen Bierkrug auf den Kopf. Nicht nur einmal, sondern fünf bis sechs Mal, berichten Augenzeugen.

Der Mann fiel in eine tiefe Bewusstlosigkeit, musste intubiert werden, erbrach sich im Krankenhaus schwallartig, ein Schädel-Hirn-Trauma wurde diagnostiziert. Selbst heute, rund ein Jahr nach dem Vorfall, hört er ständig Geräusche wie von Motoren. Wenn sich mehrere Personen unterhalten, überschlagen sich die Stimmen und er hat Erinnerungslücken. Ob ein Geräusch von rechts oder links kommt, kann er nicht zuordnen. Der Niedergeschlagene hat mehrere Narben von dem Bierkrug, der im Zuge der Schläge zu Bruch ging.

Motiv völlig unklar

Wenn man den 35-jährigen Angeklagten sieht, kann man nicht glauben, dass er zu derartiger Gewalt fähig ist. Der aus Bosnien-Herzegowina stammende Angestellte ist unbescholten, kümmert sich um seine Familie und macht einen ordentlichen Eindruck. Die Schilderungen des Opfers treiben ihm die Tränen in die Augen, er selbst kann sich die Tat nicht erklären. Fakt ist, dass er an jenem Tag rund 1,57 Promille intus hatte. Auf dem Rankweiler Herbstmarkt war um rund 21.00 Uhr einiges los, ein Bier fiel um, irgendjemand schubste, offenbar Grund genug, mit dem schweren Bierkrug auf einen Besucher einzudreschen. „Meinem Mandanten tut es sehr leid und er hat auch einen großen Teil des Schadens gut gemacht“, erklärt Verteidigerin Claudia Bogensberger. Was die Schadenswiedergutmachung betrifft, hat der Täter von den geforderten knapp 7000 Euro tatsächlich bereits 5600 an das Opfer bezahlt. Den Arbeitgeber des Fahrers muss der Schläger für den Arbeitsausfall entschädigen.

Der Angeklagte hat Glück, seine 15 Monate Haft wegen absichtlich schwerer Körperverletzung werden zur Gänze bedingt ausgesprochen. Das hat er seiner bisherigen Unbescholtenheit, der Schadenswiedergutmachung, dem Geständnis und seiner Reue zu verdanken. Weitere 1000 Euro muss er dem Opfer bezahlen. Ob der Kraftfahrer seine lästigen Geräusche im Ohr jemals los wird, ist offen. „Es war das erste Mal und Sie hatten bisher ein ungetrübtes Vorleben“, begründet Richter Gabriel Rüdisser das Urteil, welches rechtskräftig ist.

Meinem Mandanten tut es sehr leid und er hat auch einen großen Teil des Schadens gut gemacht.

Claudia Bogensberger