Vier Monate Gefängnis für drei Faustschläge ins Gesicht

02.10.2015 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Beim Bezirksmusikfest Möggers wurde nicht nur mit Bierkrügen „angestoßen“.

Bregenz. Der sehr kurzhaarige und auffallend tätowierte Beschuldigte feiert keine Premiere im Bezirksgericht Bregenz. Bereits sieben einschlägige Vorstrafen attestieren dem 23-Jährigen einen außerordentlichen Hang zu Gewalt und Aggression. Immer wieder ließ der wortkarge Unterländer die Fäuste sprechen. Bisher wurde das noch mit Geldstrafen geahndet. Diesmal sollte es aber anders kommen. Es geschah im Juni auf dem Bezirksmusikfest im beschaulichen Möggers. Es herrschte ein Gedränge an der Bar, als die Cousine des Beschuldigten von einem fremden Burschen angesprochen wurde. Das reizte den 23-Jährigen ungemein.

„Nur eine Schupferei“

So artete die Drängelei dann plötzlich in einer „Schupferei“ aus, wie es der Angeklagte nun vor Richter Christian Röthlin verharmlost. Diese bloße „Schupferei“ endete für den 18-jährigen Burschen, der das Mädchen angesprochen hatte, mit offenen und blutenden Lippen, tagelangen Schmerzen und Krankenstand. „Er wollte mich davonjagen“, schildert er als Zeuge, „und schon bekam ich drei Faustschläge ins Gesicht.“ Die linke Hand des Täters hatte sich dabei in das T-Shirt des 18-Jährigen verkrallt, während die rechte geballte Faust auf den Kopf der jungen Mannes donnerte. Und zwar in einem so rasanten Takt, dass sich der Bursche gar nicht mehr wehren konnte.

Allerdings ist es dem damaligen Opfer vor Gericht nicht wirklich möglich, den Beschuldigten einwandfrei als Täter zu identifizieren. Er könne sich lediglich an die auffälligen Tätowierungen des Schlägers erinnern. Was den nicht geständigen Angeklagten zur Bemerkung veranlasst: „Bei diesem Fest hatte jeder Zweite eine Tätowierung.“

Einstimmige Aussagen

Für die weiteren befragten Zeugen gibt es jedoch keinen Zweifel. „Ja, der war’s“, bestätigen sie einhellig bei der Gegenüberstellung im Verhandlungssaal. Einer dieser Zeugen kann sich noch erinnern, die Polizei gerufen zu haben. Und dann waren da noch Bekannte des Opfers, die den Verletzten nach der Erstbehandlung im Sanitätsraum des Bezirksmusikfestes zum Landeskrankenhaus nach Feldkirch gefahren hatten.

Die Urteilsverkündung steht bevor. Auf die übliche Frage des Richters nach seinem letzten Wort antwortet der Beschuldigte lapidar: „Was soll’s? Mir glaubt man doch ohnehin nicht.“ So ist es denn auch. Röthlin verurteilt den 23-Jährigen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe in der Dauer von vier Monaten. Zuviel an einschlägigen Vorstrafen hatten sich angehäuft. Zu oft hatte sich der Unterländer nicht von den bisher verhängten Geldbußen abschrecken lassen. Doch jetzt führt an einer gewissen Zeit hinter Gittern kein Weg mehr vorbei. Der Verurteilte bittet um Bedenkzeit.

Bei diesem Fest hatte jeder Zweite eine Tätowierung.

Der Beschuldigte