Die „MS Österreich“ ins Winterlager geschleppt

04.10.2015 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In langsamer und vorsichtiger Fahrt wurde die „Österreich“ von einem Salzmann-Schleppkahn durch die Fußacher Bucht Richtung Hard bugsiert.  GG
In langsamer und vorsichtiger Fahrt wurde die „Österreich“ von einem Salzmann-Schleppkahn durch die Fußacher Bucht Richtung Hard bugsiert. GG

„MS Österreich“ von Fußach nach Hard ins Winterquartier geschleppt.

Hard. (gg) Wie es mit den „Vorarlberg Lines“, der Eigentümerin der Werft in Fußach, vereinbart war, überstellten dieser Tage die „Freunde der MS Österreich“ das zur Sanierung vorgesehene Schiff nach Hard, wo es neben der „Hohentwiel“ für den kommenden Winter vertäut wurde.

Die Marktgemeinde gewährte dem alten Schiff einen Liegeplatz bis Ende März 2016. „Dann werden wir so oder so wieder ablegen und unser Schiff wieder nach Fußach in die Werft überstellen“, sagt der Obmann des Eignervereins, Jürgen Zimmermann.

Außenarbeiten im Frühjahr

Im Frühjahr 2016 sollen dann die Außenarbeiten zur Renovierung der ausgewasserten „Österreich“ beginnen. Wenn sie abgeschlossen sind, wird mit den Innenarbeiten begonnen. Das Schiff soll sein charakteristisches Äußeres nicht verlieren, die Räume an Deck werden aber gründlich umgebaut. Geplant ist ein Salon für rund 100 Passagiere, eine Größenordnung für Veranstaltungen, die es bisher auf dem Bodensee nicht gibt.

Ursprünglich dachte man daran, die „Österreich“ im Harder Industriehafen zu überwintern. „Aber dort ist nur ein Platz frei, die anderen sind von den Kähnen der Firmen Zech und Salzmann belegt“, erklärt Martin Vergeiner von der Gemeinde Hard. Der Industriehafen gehört der Republik, Hard ist aber für die Verwaltung zuständig. Der Aufwand für einen Winterliegeplatz wäre nicht unerheblich gewesen, sagt Vergeiner. „Man hätte zusätzlich Dalben schlagen müssen, außerdem wäre eine zusätzliche behördliche Bewilligung erforderlich.“

Nun steht die alte „Österreich“, die vom Eignerverein jetzt noch gründlich gesäubert wird, neben der „Hohentwiel“. Die beiden Oldtimer, die sehr unterschiedlich aussehen, repräsentieren ein Stück Bodenseegeschichte, liegen aber altersmäßig nicht allzu weit auseinander. Die „Hohentwiel“, ein 1913 vom Stapel gelaufener Schaufelraddampfer, ist nur 15 Jahre älter als die 1928 als erstes Schiff mit Dieselmotoren in Dienst gestellte „Österreich“. Trotz des eigentlich geringen Altersunterschieds repräsentieren sie zwei Epochen der Bodenseeschifffahrt.

Gesellschaft in Gründung

Der Obmann der „Freunde der MS Österreich“ und seine Vorstandsmitglieder haben derzeit alle Hände voll zu tun. Vordringlich ist die Gründung einer Gesellschaft, die als Rechtsträger für das Schiff fungieren wird. Auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln hängen von der Existenz eines Rechtsträgers ab.

Die Form einer Aktiengesellschaft wurde schnell verworfen, auch eine GmbH erscheint immer weniger als geeignet. Der Verein beschäftigt einen im Gesellschaftsrecht bewanderten Rechtsbeistand, immer mehr kristallisiert sich heraus, dass vor allem für den Betrieb des Schiffes eine Genossenschaft die geeignete Rechtsform wäre.

Noch offen sind auch Fragen der Finanzierung des je nach der Form der gewählten Motoren und des Niveaus der Ausstattung zwischen drei und vier Millionen Euro liegenden Gesamtrahmens der Sanierung. So viel aber kann Obmann Jürgen Zimmermann bereits sagen: „Die Finanzierung befindet sich langsam im gesicherten Bereich.“

Im ursprünglich geplanten Winterquartier hätten zusätzliche Dalben geschlagen werden müssen.

Jürgen Zimmermann