Tochter im Erbschaftsstreit von Betrug freigesprochen

Vorarlberg / 05.10.2015 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Geschwister zerrten 58-Jährige wegen 14.000 Euro vor das Feldkircher Strafgericht.

Feldkirch. (VN-gs) Im Jahr 2008 flehte die Frau aus dem Bezirk Bludenz ihren Vater um Geld an. Einmal um 4000 Euro, ein weiteres Mal um 10.000 Euro. Grund war ein Streit mit ihrem Ehemann in der Schweiz, vor dem sie schließlich sogar habe flüchten müssen. Anschließend wohnte sie bei ihrem Vater in Vorarlberg – und kehrte nie mehr in die Schweiz zurück.

Darlehen verschwiegen

Im Jahr 2013 verstarb der Senior. Im Jänner desselben Jahres kam es zur Todfallaufnahme und Inventarisierung des Vermögens des Verstorbenen vor dem Notar. Gleichzeitig brach innerhalb der erbenden Geschwister eine Lawine der Entrüstung los.

So habe die 58-jährige, Jahre vorher in Not geratene Schwester das Darlehen ihres Vaters in der Höhe von 14.000 Euro angeblich verschwiegen. Zivilgerichtliche Verhandlungen folgten. Und schließlich ein Strafprozess gegen die Frau am Landesgericht Feldkirch wegen Betrugs.

Am gestrigen Montag wurde zunächst ihr Bruder von Richter Günther Höllwarth einvernommen. Er wusste zwar, dass über das angebliche Darlehen von 10.000 Euro damals irgendwann innerhalb der Familie gesprochen worden sei. Und vor allem von der Vereinbarung, dass die Schwester das Geld wieder zurückzahlen müsse. „Stattdessen verlangte sie beim Verlassenschaftsverfahren eine sechsstellige Summe – genauer gesagt 164.000 Euro – als Pflegegeld für ihren Vater.

Eben weil sie ihn angeblich gepflegt hätte. Das war eine absolute Frechheit!“ In dieselbe Kerbe schlug die zweite Zeugin, Schwester der Angeklagten: „Wir wollten, dass sie damals wieder auf die Füße kommt, sich einen Job und eine Wohnung besorgt. Das Geld bekam sie unter dem Versprechen, es wieder zurückzuzahlen. Plötzlich aber behauptete sie, dass sie gar nicht arbeiten dürfe. Warum, sagte sie aber nicht. Die ganze Sache wurde chaotisch.“

4000 Euro eine „Spende“

Wie sich während der Verfahren jedoch herausstellte, waren die zunächst erwähnten 4000 Euro eine „Spende“ des Vaters gewesen. Bezüglich der 10.000 Euro wiederum sei ein Zettel mit der Handschrift des Vaters gefunden worden, wonach die Angeklagte diesen Betrag einer ihrer beiden Schwestern zurückzahlen sollte. Und zwar jener Schwester, die sich der Zeugenaussage in der ersten Verhandlung entschlagen hatte. So blieb der vorgeworfene Tatbestand aus strafrechtlicher Sicht doch recht unausgegoren.

„Ein schöner Bumerang, diese ganze Familiengeschichte“, kommentierte Verteidiger Rechtsanwalt Andreas Brandtner. Jedenfalls könne seiner Mandantin weder ein Täuschungs- noch Schädigungsvorsatz nachgewiesen werden. Richter Höllwarth folgte der Argumentation und sprach die 58-Jährige frei.

Ein schöner Bumerang, diese ganze Familiengeschichte.

Andreas Brandtner