Kaffeeplausch in geselliger Runde

Vorarlberg / 06.10.2015 • 18:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Josef, Oskar, Ernst und Peter (v.l.) treffen sich regelmäßig in der Bahnhofsbäckerei in Bludenz. Foto: Stiplovsek
Josef, Oskar, Ernst und Peter (v.l.) treffen sich regelmäßig in der Bahnhofsbäckerei in Bludenz. Foto: Stiplovsek

Die Bäckerei am Bludenzer Bahnhof ist ein beliebter Treff. Vier Pensionisten kommen regelmäßig zusammen.

Bludenz. (VN-kum) Wie jeden Morgen sitzt Josef (77) in der Bahnhofsbäckerei in Bludenz und lässt sich hier das Frühstück munden. Daheim wartet niemand auf den Rentner. Seit dem Tod seiner Frau vor 19 Jahren lebt der Bludenzer allein. Mit Martha war er 32 Jahre verheiratet. Ihr Tod stürzte ihn in ein tiefes Loch. „Ich habe drei Jahre gebraucht, bis ich das verkraftet habe.“ Sagt’s und beißt mit Genuss in eine Buttersemmel mit Marmelade.

Viel auf Reisen

Längst ist die Lebensfreude in sein Leben zurückgekehrt. Der Witwer genießt sein Leben. „Das Schöne an der Pension ist, dass man nicht mehr arbeiten muss und Zeit für sich hat.“ Dem ehemaligen Metzgermeister ist nach eigenen Angaben nie langweilig. „Ich wandere gern.“ Auch Reisen gehört zu seinen Hobbys. „Ich bin schon auf der ganzen Welt gewesen.“ Außerdem hat er ein Faible für Autos: „Ich fahre gern schöne Wagen.“ Josef will sich gerade in die Zeitung vertiefen, als ein weiterer Mann auf seinen Tisch zukommt. „Guten Morgen, Ernst“, grüßt ihn Josef. Ernst (68) kommt auch gerne in die Bäckerei frühstücken. „Denn hier habe ich Gesellschaft. Ich muss ja schauen, wie’s den Kerlen geht.“ Der pensionierte Eisenbahner ist ebenfalls alleinstehend. „Eine Heirat hat sich nie ergeben. Außerdem hätte ich für eine Frau gar keine Zeit gehabt. Denn ich bin viel herumgereist, vor allem in Europa.“

Ernst möchte von Josef wissen, was es Neues gibt. Der blickt von der Zeitung hoch und sagt: „Der Zustrom der Flüchtlinge reißt nicht ab.“ Seine Miene wird nachdenklich. Die Flüchtlingskrise lässt auch ihn nicht kalt. Ein dritter Mann gesellt sich zu ihnen. Es ist Oskar (65), ein pensionierter Postler aus Bludenz. Oskar und Ernst sind hier, in der Bäckerei, Freunde geworden. Seither machen die ledigen Männer gemeinsam Reisen mit dem Zug.

Oskar ist schon seit 30 Jahren pensioniert, weil er an epileptischen Anfällen leidet. Zum Zeitvertreib fertigte er jahrelang Kinderspielzeug aus Holz an und verteilte es in Kindergärten. Die Runde ist noch nicht komplett. Ein sportlich gekleideter Herr steuert auf den Tisch zu. Es ist Peter (81) aus Nüziders. Der geschiedene Mann ist wie immer mit dem Rad nach Bludenz gekommen – zum Frühstücken und Plaudern, wie er sagt. Peter ist der Sportlichste von allen. Er spielt Fußball und Tischtennis und fährt viel Rad, strampelt beispielsweise jeden Tag auf die Tschengla.

Als er in der Runde mitbekommt, dass eine Diskussion über die Kriegsvertriebenen im Gange ist, wird er emotional. „Das sind wirklich arme Menschen“, wirft er ein. Nach einer guten Stunde und einer lebhaften Diskussion gehen die Männer auseinander.

Josef fährt heim. „Ich muss noch den Rasen mähen.“ Peter radelt wieder einmal auf die Tschengla. Ernst geht auf den Friedhof zum Grab seiner Eltern. Und Oskar setzt sich in den Zug nach Wörgl. Dort will er in einem Gasthaus Mittagessen. „So vergeht die Zeit.“