„In Russland gibt es nur russische Pistolen“

Vorarlberg / 08.10.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der ominöse Bursche soll die Pistole am Gürtel getragen haben.
Der ominöse Bursche soll die Pistole am Gürtel getragen haben.

Polizei fand im Auto von angeblichem russischem Ex-Kollegen eine scharfe Waffe.

Dornbirn. Im Augenblick geht der 44-jährige Beschuldigte aus der russischen Föderation in Vorarlberg keiner Beschäftigung nach. Krankheitsbedingt, wie er sagt. Auch seine Ehefrau arbeitet nicht. „Wie denn auch, mit 120 Kilo auf den Füßen?“, argumentiert er.

In seiner Heimat an der Wolga sei es freilich ganz anders gewesen. Das Repertoire seiner Berufe spannte sich dort von „Jurist“, „Tierarzt“ bis hin zum „Polizist im Staatsdienst“, wie er vor Dornbirns Bezirksrichter Frank Plasinger angibt. Und gerade die letztere Profession sei der Antrieb zu jenem „verantwortungsvollen Dienst an der Bevölkerung“ gewesen, den er im vergangenen März in Bregenz geleistet habe.

In Hörbranz fand damals eine Hochzeit statt. Als geladener Gast habe der heute Beschuldigte die Braut in Bregenz abgeholt. Dort, vor der Gebietskrankenkasse, habe sein Sohn dann plötzlich eine verdächtige Wahrnehmung gemacht. Er erspähte einen Jugendlichen, den er offenbar kannte. Sofort flüsterte er seinem Vater zu: „Der Junge hat eine Gaspistole bei sich. Die hat er im Dorotheum geklaut.“

Da sei in dem ehemaligen Ordnungshüter aus Mütterchen Russland höchstes Pflichtbewusstsein entflammt, und er nahm das Früchtchen aufs Korn. „Tatsächlich hatte der Bursche eine Pistole in einem Halfter an den Gürtel geschnallt. Ich habe sie ihm sofort abgenommen. Denn sowas gibt es doch nicht! Das ist nix normal!“, will er sich vor dem Richter an seine damalige Fassungslosigkeit erinnern. Die Waffe verstaute er im Handschuhfach seines Pkw und fuhr damit noch am selben Tag der Vorarlberger Polizei direkt in die Arme.

Gestohlene Pistole

Bei der Kontrolle stellten die Inspektoren die Pistole sicher. Es war keine Gaspistole, sondern eine scharfe Waffe. Wie sich herausstellte, war der Ballermann auch noch als gestohlen gemeldet: Diebsbeute aus einem Bregenzer Waffengeschäft. Der Russe gibt sich ob dieses Vorfalls verwundert, ja entsetzt, aber dennoch unbeirrt. Standhaft beharrt er auf seiner Version von der beschlagnahmten Gaspistole. Das macht Richter Plasinger stutzig. „Als ehemaliger Polizist müssten Sie den Unterschied zwischen einer Gaspistole und einer richtigen Pistole wohl kennen?“

Doch der Angesprochene wehrt ab und behauptet, diese Waffe nicht zu kennen und folglich auch nicht den Unterschied, denn: „In Russland gibt es nur russische Pistolen!“

Verhandlung vertagt

Der 44-Jährige wird nochmals vor Gericht erscheinen müssen, denn Plasinger vertagt die Handlung. Er will noch den Sohn des Beschuldigten zur Sache hören und wenn möglich auch jenen ominösen Jugendlichen, der die gestohlene Pistole am Gürtel getragen haben soll, damals vor der GKK in Bregenz.