„Armes Hascherl“ kann es einfach nicht lassen

Vorarlberg / 09.10.2015 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beschuldigter Konsument will auf mehrere „Tüten“ am Tag nicht verzichten – trotz gesetzlichen Verbots.  Symbolfoto: HB
Beschuldigter Konsument will auf mehrere „Tüten“ am Tag nicht verzichten – trotz gesetzlichen Verbots.  Symbolfoto: HB

Überzeugter Cannabiskonsument zieht gerichtliche Strafe der Therapie vor.

Dornbirn. „Sie haben drei Vorstrafen. Zwei wegen Suchtgiftmissbrauchs und eine weitere wegen Sachbeschädigung. Kann das sein?“, fragt der Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger den Beschuldigten vor sich.

„Also das mit dem Suchtgift könnte gut stimmen“, kommt als Antwort, „aber von einer Verurteilung wegen Sachbeschädigung weiß ich nichts.“

Der 39-jährige Unterländer ist arbeitslos und schwer verschuldet. Er spricht von einem prallen Minusbudget, das in Summe 60.000 bis 65.000 Euro ausmacht.

Keine Dealerei

Wie er sich in dieser tristen Situation seinen täglichen Cannabiskonsum finanziert, steht bei dieser Verhandlung allerdings nicht zur Debatte. Sondern vielmehr die Tatsache, dass er täglich seine Joints raucht. Und auch, dass die Polizei vor mehreren Monaten 182 Gramm Cannabis bei ihm sicherstellte.

Ein krimineller Handel mit dem illegalen Suchtmittel steht nicht in der Anklageschrift. „Ich habe das Cannabis ausschließlich zum Eigenkonsum besorgt und nicht damit gedealt“, beteuert der Beschuldigte. Und sieht auch nichts Verbrecherisches da­rin. „Wissen Sie, Herr Richter, ich trinke keinen Alkohol und nehme keine Medikamente. Aber so zwei oder drei Joints am Tag tun mir einfach gut, sie machen mich ruhig.“

Richter Plasinger entgegnet: „Aber es ist nun mal gesetzlich nicht erlaubt.“ Er versucht dennoch, dem 39-Jährigen noch einmal großzügig entgegenzukommen: „Wenn Sie sich zu gesundheitsbezogenen Maßnahmen entscheiden, könnte ich von einer Verurteilung absehen.“

Doch davon will der Beschuldigte nichts wissen. „Was soll ich sagen? Ich habe nicht vor, aufzuhören. Und wenn ich es wollte, könnte ich es von selbst, auch ohne Therapie.“

Ungewöhnlicher Vorschlag

Plasinger kommt also an einer gesetzlichen Bestrafung nicht vorbei. Aber er unterbreitet ihm noch einen weiteren, großzügigen und ungewöhnlichen Vorschlag: „Die angeklagten 182 Gramm wurden schon vor längerer Zeit bei Ihnen beschlagnahmt. Aber Sie haben sicher auch danach noch konsumiert. Wenn ich jetzt die Anklage auf eine unbekannte Menge bis heute ausdehne, kann Sie niemand mehr für die Zwischenzeit zusätzlich belasten.“

Ebenfalls im Verhandlungssaal sitzt die Freundin des Beschuldigten. Und beherrscht plötzlich die Szene: „Ja, Schatz, nimm das an!“, ruft sie dazwischen, „wenn wir nämlich mal miteinander Schluss machen, kann ich dir keine auswischen!“

Gelächter im Saal. Urteil des Richters: 140 Tagessätze in der Höhe von je vier Euro Geldstrafe. Und die Vernichtung der sichergestellten 182 Gramm Cannabis. „Mei, wie schade um das gute Zeug!“, kommentiert die Lebensgefährtin seufzend.

So zwei oder drei Joints am Tag tun mir einfach gut.

Der Beschuldigte