Klare Fakten sind gefordert

Vorarlberg / 09.10.2015 • 23:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der von VN-Redakteur Klaus Hämmerle moderierte VN-Stammtisch im Competence Center im Millenniums Park erwies sich als Besuchermagnet.  Foto: Vn/Bernd Hofmeister
Der von VN-Redakteur Klaus Hämmerle moderierte VN-Stammtisch im Competence Center im Millenniums Park erwies sich als Besuchermagnet. Foto: Vn/Bernd Hofmeister

Langfristige Überlegungen sollen die Entscheidung der Gemeinde prägen. 

lustenau. (VN-mm, jal) Eineinhalb Stunden wurde intensiv diskutiert und argumentiert. Am Ende des VN-Stammtisches zur umstrittenen möglichen Ansiedlung von Ikea in Lustenau stand die Erkenntnis, dass sich die Marktgemeinde zuerst im Klaren darüber sein muss, ob sie den skandinavischen Möbelriesen will oder nicht. Zuerst müssten klare Fakten auf den Tisch, lautete eine vielfach erhobene Forderung. Bürgermeister Kurt Fischer, der sich emotional gehörig ins Zeug legte, stellte eingangs gleich klar, dass Ikea kein „Fall Lustenau“ ist, sondern Ikea einfach nach Vorarlberg möchte. Die Konzernvertreter hätten sich an das Land gewandt, und dieses wiederum habe Lustenau ins Spiel gebracht. Die bisherigen Verhandlungen bezeichnete Fischer als professionell. Die Projektentwicklung erfolge seriös. Bei dem infrage kommenden Grundstück handle es sich auch nicht um eine grüne Wiese. „Es ist im Landesraumplan als Handelsfläche ausgewiesen“, betonte Fischer.

Langfristig denken

Er gab außerdem zu bedenken, dass die Städte und Gemeinden rund um Lustenau aufgerüstet haben und weiter aufrüsten werden. Vor diesem Hintergrund stellte sich für Kurt Fischer die Frage, ob Lustenau weiter von Fahrzeugen, die diese Geschäfte ansteuern, überrollt werden oder selbst eine Rolle spielen will. Dem Enthusiasmus des Bürgermeisters hielt der Wirtschaftsentwickler Stefan Fitz-Rankl nüchtern entgegen, Perspektiven für die nächsten zwanzig Jahre zu entwerfen. „Ikea wird das Bild von Lustenau verändern“, meinte er. Deshalb sei eine langfristige Betrachtung wichtig. Die grüne Gemeindevertreterin Christine Bösch-Vetter gab sich überzeugt, dass „wir auf dieser schönen Fläche mehr ansiedeln können als einen Betrieb mit hundert Arbeitsplätzen“. Zudem sieht sie Ikea als Konkurrenz für die kleinen Fachgeschäfte. „Aber sie sind es, die in unser Gemeinwesen investieren und wo die HAK-Schüler ihre Tombolapreise holen“, bemerkte Bösch-Vetter, die auch freimütig einräumte, früher selbst bei Ikea gekauft zu haben. Auch Martin Fitz von der FPÖ sieht die Fachgeschäfte bedroht.

Verkehr im Visier

Seiner ablehnenden Haltung freien Lauf ließ der Vertreter der Möbelbranche, Harald Künzle. Die gipfelte in der Aussage: „Ein Kultur- und Kunstland wie Vorarlberg braucht keinen Ikea.“ Das Land verfüge über genügend Anbieter im günstigen und hochwertigen Sektor. Man solle sich gut überlegen, eine blaugelbe Blechhalle aufzustellen. Was die Architektur betrifft, wird die nach Ansicht von Fitz-Rankl deutlich überbewertet. „Es ist völlig egal, ob da ein gelber oder aufgehübschter Kasten steht.“ Lustenau werde mit Ikea sicher bekannter, viel wichtiger für die umliegenden Betriebe sei jedoch, den Verkehr am Fließen zu halten, beschied der Experte. Zur Verkehrsproblematik kamen aus dem Publikum überraschenderweise eher gemäßigte Meldungen. So meinte etwa Rudi König: „Die Schweizer sind da, ob es den Ikea gibt oder nicht.“ In die gleiche Kerbe schlug Manfred Grabher, der sich als „hundertprozentig für Ikea“ deklarierte: „Es wird in Lustenau wegen Ikea kein Auto mehr geben.“ Größer war sein Ärger darüber, dass „wir in Lustenau nicht einmal einen Nagel oder eine Schraube kaufen können“. Walter Bösch warf ein: „Die Verkehrsfrage hängt nicht an einem Ja oder Nein zu Ikea, sondern an Verhandlungen mit der Schweiz.“

Angst vor Konkurrenz

Ebenfalls ein Thema beim VN-Stammtisch waren die Arbeitsplätze. Es könne nicht nur Hightech-Arbeitsplätze geben, hieß es da beispielsweise. Andererseits wurde die Befürchtung geäußert, wonach Arbeitsplätze in anderen Branchen verlorengehen könnten, weil die Konkurrenz durch Ikea zu stark ist. Immerhin macht der Konzern über 50 Prozent seiner Umsätze mit anderen Warengruppen wie Blumen, Teppichen, Babyausstattung, Werkzeug usw. Zweifel herrschte auch an einem lukrativen Steueraufkommen.

Bürgermeister Kurt Fischer versicherte, alle Sorgen ernst zu nehmen. „Es wird keine Bauchentscheidung“, versprach er. Außerdem gebe es noch keinen Kaufvertrag. Daniel Zadra von den Grünen warnte, ein „Filetstück“, wie er das für die Ikea-Ansiedlung vorgesehene Grundstück bezeichnete, leichtfertig aus der Hand zu geben.

Der skandinavische Möbelriese Ikea will nach Vorarlberg. Hier scheiden sich allerdings die Geister darüber.  Foto: ikea
Der skandinavische Möbelriese Ikea will nach Vorarlberg. Hier scheiden sich allerdings die Geister darüber. Foto: ikea
Zahlreiche Interessierte meldeten sich bei der abwechslungsreichen Diskussion zu Wort. Foto: VN/hofmeister
Zahlreiche Interessierte meldeten sich bei der abwechslungsreichen Diskussion zu Wort. Foto: VN/hofmeister
Zahlreiche Interessierte meldeten sich bei der abwechslungsreichen Diskussion zu Wort. Foto: VN/hofmeister
Zahlreiche Interessierte meldeten sich bei der abwechslungsreichen Diskussion zu Wort. Foto: VN/hofmeister