Psychotherapie leidet weiter an Geldmangel

Vorarlberg / 09.10.2015 • 21:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kostenzuschüsse bei Behandlung durch Wahltherapeuten sind seit Jahren gleich.

Dornbirn. (VN-mm) Die Psychotherapie wird, finanziell betrachtet, immer noch stiefmütterlich behandelt. So zumindest empfindet es der Landesverband für Psychotherapie. Im vergangenen Jahr verdoppelte die Gebietskrankenkasse (GKK) zwar die Mittel für die nichtärztliche Psychotherapie bei Vertragsärzten, Psychotherapeuten und Institutionen wie dem ifs, von 500.000 auf eine Million Euro. Doch das Geld fließt ausschließlich in die kostenfreie Inanspruchnahme und nicht in den Kostenvorschuss, der für die Behandlung bei einem Wahltherapeuten beantragt werden kann.

Keine Erhöhung in Sicht

Derzeit erhalten Klienten von der GKK einen Zuschuss von 21 Euro pro Behandlung. „Dieser Betrag ist seit Jahren gleich. Er wurde nie angepasst“, bedauert die Landesvorsitzende Edith Breuss. Erst unlängst fanden wieder Gespräche mit Vertretern des Landes und der Gebietskrankenkasse statt. Doch eine Erhöhung des Zuschusses wird es auch weiterhin nicht geben. Die GKK will erst evaluieren, was die Aufstockung bewirkt hat. An Kostenzuschüssen für nichtärztliche Psychotherapie fielen 2014 rund 360.000 Euro an, 2013 waren es etwa 340.000 Euro. Breuss schätzt, dass es noch einmal so viel brauchen würde, um den Bedarf an Psychotherapie im niedergelassenen Bereich abdecken zu können. Die letztjährige Erhöhung bezeichnet sie als Tropfen auf dem heißen Stein.

2014 gab die Vorarlberger Gebietskrankenkasse insgesamt 2,8 Millionen Euro für psychotherapeutische Leistungen aus (2013: 2,3 Millionen Euro). Dieser Betrag beinhaltet auch die Ausgaben für psychiatrische Versorgungssysteme. Edith Breuss würde sich eine klarere Trennung zwischen Psychiatrie und Psychotherapie wünschen. „Es braucht beides“, betont sie. Doch im Gegensatz zur Psychiatrie werde die Psychotherapie, obwohl ebenfalls ein eigenes Fach, oft nicht als solches wahrgenommen.

Wartelisten

Die Behandlungskapazitäten sind ihren Aussagen zufolge ausreichend. Dennoch gibt es Wartelisten bei den niedergelassenen Psychotherapeuten. Auch sie müsse laufend Leute wegschicken und auf das nächste Jahr vertrösten, weil die Finanzierung nicht gesichert sei. Dazu komme, dass sich aus eben diesem Grund eine Praxis im Vollbetrieb häufig nicht ausgehe. Breuss: „So wird Psychotherapie zum Nebenjob, und das sollte nicht sein.“ Positiv bewertet die Landesvorsitzende, dass es mit dem Land und der GKK weiterhin eine gute Gesprächsbasis gibt.

Wer eine Psychotherapie in Anspruch nimmt, muss spätestens vor der zweiten Sitzung ein ärztliches Gutachten vorlegen, dass es sich um eine sogenannte krankheitswertige Störung handelt, denn die Krankenversicherung darf nur Krankenbehandlung finanzieren. Ist diese Indikation gegeben, wird die Therapie bis zur zehnten Sitzung bezuschusst. Nach der zehnten Sitzung muss ein Fragebogen ausgefüllt werden (macht der Therapeut), und der ärztliche Dienst prüft dann, ob weitere Sitzungen bezuschusst werden. Das können maximal 50 Sitzungen sein. Danach muss erneut geprüft werden.

Die Vereinigung der österreichischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten empfiehlt sogar, eine zweistündige psychotherapeutische Diagnostik in die Gesundenuntersuchung einzubauen. Damit könnten Risiken für seelische Erkrankungen frühzeitig erfasst, und eine Verschlechterung bzw. Chronifizierung könnte vermieden werden.

„Anima“ – Tag der Psychotherapie: Heute, Samstag, Kulturhaus Dornbirn, 9.30 bis 18.30 Uhr, Überblick über Vorarlberger Therapieangebote sowie Workshops und Vorträge rund um die „seelische Gesundheit“. Eintritt frei. Infos unter www.anima-vlbg.at