Wenn der Tod an die Tür klopft

Vorarlberg / 09.10.2015 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Veena und Anil Chadha sind seit 41 Jahren verheiratet. Das Band der Liebe wird auch der Tod nicht zerreißen können.  Foto: VN/Hofmeister
Veena und Anil Chadha sind seit 41 Jahren verheiratet. Das Band der Liebe wird auch der Tod nicht zerreißen können. Foto: VN/Hofmeister

Veena Chadha leidet an Krebs. Seit vier Wochen wird sie auf der Palliativstation in Hohenems betreut.

Hohenems. (VN-kum) Veena Chadha (69) frühstückt gemächlich. Ihr Mann Anil (64) ist ihr behilflich und streicht ihr Butter und Marmelade aufs Brot. Die schwerkranke Frau sitzt im Rollstuhl. Die Krankheit hat sie so geschwächt, dass sie nicht mehr alleine gehen kann. 29 Kilo hat sie innerhalb weniger Monate abgenommen. Die Ärzte gaben ihr nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs im Jänner vorigen Jahres nur mehr drei Monate Lebenszeit.

Willensstärke und Disziplin

Dass seine Frau noch am Leben ist, führt ihr Mann auf ihre Willensstärke und ihre eiserne Disziplin zurück. „Sie war schon immer eine tapfere Frau, eine Säule, an die man sich anlehnen konnte.“ Auch jetzt, in der Krankheit, ist ihm Veena ein Vorbild: „Sie hat ihre Krankheit angenommen und trägt sie mit Geduld und Stärke.“ Auch Anil hat akzeptiert, dass seine Frau bald sterben wird. „Man sollte alles, was Gott einem zuteilt, annehmen.“ Außerdem: „Was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren. Sonst macht man sich das Leben schwer.“ Seit vier Wochen ist die Palliativstation im Krankenhaus Hohenems das Zuhause von Veena. Die ehemalige Volksschullehrerin fühlt sich hier wie in den eigenen vier Wänden. „Das ist wie eine Familie hier. Und ich gehöre dazu“, sagt sie mit stockender Stimme.

Auch ihr Ehemann ist dankbar, „dass man uns hier das Gefühl vermittelt, daheim zu sein. Ich bin überwältigt von dem, was auf dieser Station geleistet wird mit Herz und Mitgefühl.“ Das Paar, das vor 38 Jahren aus Indien nach Österreich kam, weiß, dass nicht mehr viel gemeinsame Zeit bleibt. Deshalb ist Anil so oft wie möglich bei seiner Frau. Er und sein Sohn schlafen abwechselnd bei ihr. „Es ist mir eine Ehre, diese Zeit noch mit Veena verbringen zu dürfen“, sagt der Gastronom und streichelt seiner Frau liebevoll über den Rücken. Veena war ihm in den vergangenen 41 Jahren eine gute Gefährtin. „Sie ist für mich alles, was eine Person sein kann – Freund, Geliebte, Mentor.“

Ins nächste Leben gehen

Der gläubige Mann hofft, „dass ich das nächste Leben wieder mit meiner Frau verbringen kann“. Auch Veena glaubt an Wiedergeburt. Deshalb macht ihr der Tod keine Angst. „Ich werde einschlafen und dann ins nächste Leben gehen.“

Aber die Mutter zweier erwachsener Kinder findet, dass der Tod etwas zu früh an ihre Tür geklopft hat. Sie wäre doch noch so gerne Großmutter geworden.