35-Jähriger beißt sich an Rechnung die Zähne aus

Vorarlberg / 11.10.2015 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Umgang mit Geld ist nicht gerade das Spitzentalent des
Familienvaters.

Dornbirn. Seine äußere Umgebung kann der Unterländer derzeit nur durch Gitterstäbe betrachten. Schmachtet er doch seit Monaten in einer Gefängniszelle, wo er für seine Gaunereien büßt. Sieben einschlägige Vorstrafen und sage und schreibe 172 Einträge im Exekutionsregister belasten den 35-Jährigen.

Der verheiratete Häftling hat drei Kinder. Mit zwei von ihnen besuchte er im Oktober 2014 den Zahnarzt. Doch die Behandlungskosten für die Kleinen in der Höhe von 367 Euro blieb er schuldig.

„Ich weiß, meine Vergangenheit ist nicht gerade rosig“, gesteht er am Bezirksgericht Dornbirn vor Richter Frank Plasinger, „aber bezüglich dieses Vorwurfs bekenne ich mich nicht für schuldig.“ Denn er habe damals eine klare Abmachung mit der Empfangsdame in der Ordination vereinbart. Nämlich die Kosten für die Behandlung in Teilbeträgen abzuzahlen.

„Was aber nicht geschah“, hält ihm der Richter entgegen.

„Durfte nicht zahlen“

Doch der Angesprochene ist um eine plausible Begründung nicht verlegen: „Ich befand mich gleichzeitig bei der ifs-Schuldenberatung. Dort hieß es, ich dürfe das nicht zahlen, zumindest nicht sofort.“ Dabei sei er in Beschäftigung gewesen und habe verhältnismäßig gut verdient. „Aber ich musste Schulden machen, nur um andere Schulden zu begleichen“, ergänzt er.

Von einer vereinbarten Teilzahlung an den Zahnarzt sei jedoch nichts schriftlich belegt, macht ihn Plasinger auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. „Wir hatten es mündlich vereinbart“, erklärt der Beschuldigte. Doch auf die Bestätigung seiner Behauptung durch eine Zeugeneinvernahme der Ordinationsmitarbeiter verzichtet er lieber.

Die Wahl der Strafe

Der Richter konfrontiert den 35-Jährigen mit der Tatsache, dass er ihn schuldig sprechen muss. Schon allein wegen seiner massiven Vorstrafenbelastung. So stellt er sein Gegenüber vor die Wahl: „Was ist Ihnen lieber: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe?“.

„Eine Geldstrafe!“, kommt als prompte Antwort. „Ich mag nicht mehr sitzen!“

Plasinger verurteilt den Mann zu einer Buße von 240 Tagessätzen in der Höhe von jeweils vier Euro und macht ihn dabei auf seine gesetzlichen Möglichkeiten aufmerksam: „Wollen Sie Berufung gegen das Urteil anmelden?“

„Nein, nein!“, antwortet der Verurteilte beinahe entzückt und verblüfft dann den Bezirksanwalt: „Und Sie tun es auch nicht, Herr Staatsanwalt, oder? Es passt so, wie es ist!“

Erleichtert, einer weiteren Haftstrafe entgangen zu sein, schüttelt der 35-Jährige Richter und Bezirksanwalt die Hand und schwört: „Vielen Dank für Ihre Entscheidung, Sie sehen mich dafür nie mehr wieder!“

Vielen Dank für Ihre Entscheidung, Sie sehen mich dafür nie mehr wieder!

Angeklagter