Hobbyschiffer glauben an den Mond

11.10.2015 • 16:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Auswassern müssen die Kranführer aufpassen, dass der glitschige Bootsrumpf nicht aus den Gurten rutscht.  Foto: G. Grabher
Beim Auswassern müssen die Kranführer aufpassen, dass der glitschige Bootsrumpf nicht aus den Gurten rutscht. Foto: G. Grabher

Zu Saisonende müssen Tausende Boote ausgewassert werden. Steht der Mond günstig, herrscht Hochbetrieb.

Fussach. (gg) Nach einem Rekordsommer, der allerdings an Bord auch unerträgliche Hitze, für Segler wenig Wind und besonders in den Flachwasserzonen wegen Badewannentemperaturen nur mehr eingeschränkt Erfrischung brachte, wassern in diesen Wochen Tausende Freizeitkapitäne ihre schwimmenden Untersätze aus und bringen sie ins Winterlager. Viele Häfen müssen wegen behördlicher Vorschriften von allen Booten geräumt werden.

Auf Schweizer Seite aber ist ein Überwintern im Wasser den Eignern freigestellt. Wo Strom vorhanden ist, verhindern oft sogenannte „Temperaturwächter“ an Bord das Einfrieren der Boote, sie garantieren einen Fingerbreit eisfreies Wasser um den Rumpf und damit Schäden durch Eisdruck.

Fachleute empfehlen allerdings das Auswassern, das Trocknen im Winterlager lässt die Boote gründlich austrocknen und verhindert Schimmel. Vor dem Abtransport in ein Winterlager kann der Bootsrumpf auch mit einem Hochdruckreiniger gründlich vom über den Sommer angesetzten Algen- und Muschelbelag befreit werden.

Am Bodensee ist insgesamt eine gewaltige Armada von Freizeitbooten zugelassen. Ende 2014 waren von den Schifffahrtsämtern der drei Anrainerländer in Summe 59.970 Boote zugelassen. Von den Vorarlberger Häfen stechen 5833 Boote in See, von eidgenössischen Ufern 9539. Der Löwenanteil von 43.287 Zulassungen ist in Bayern und Baden-Württemberg eingetragen.

Die Zahl der Boote stagniert nur dank des international unterzeichneten Bodenseeleitbildes, das die Zahl der Wasserliegeplätze streng beschränkt. Vor allem in den Gemeindeämtern liegen lange Listen von Hunderten Bewerbern, Chancen gibt es nur fallweise. Etwa Hard hat 1244 zugelassene Bootsliegeplätze, Hunderte Ansuchen müssen aber warten.

Liegeplätze werden als „Erbgut“ betrachtet und auch bei geringer Nutzung der Schifflein wegen Unwiederbringlichkeit nur in seltenen Fällen aufgegeben.

Die Bedeutung des Mondes

Wann die Freizeitkapitäne ihr Boot aus dem Wasser heben lassen, hängt vielfach vom Stand des Mondes ab. Besonders am Vorarlberger Ufer und großräumiger gesehen im alemannischen Raum schauen die Hobbyschiffer seit alters her auf den Mond bzw. dessen Stand auf seiner elliptischen Bahn um die Erde. So gut wie keine Bedeutung haben dabei hierzulande die sichtbaren Mondphasen, also die vier Viertel von Vollmond bis Neumond – abnehmend oder zunehmend.

Als günstiger Zeitabschnitt wird aber der über sich gehende Mond betrachtet. In dieser Mondphase ausgewasserte Boote sollen besonders gut austrocknen und – wie Brennholz – nicht schimmeln. Der über sich gehende Mond – mundartlich als „übergähnt“ bezeichnet – bewegt sich in diesem Zeitabschnitt auf seiner Bahn um die Erde vom südlichen zum nördlichen Wendepunkt. Der Zeitablauf, in dem sich unser Trabant vom nördlichen zum südlichen Wendepunkt bewegt, wird als „unter sich“ oder „untergähnt“ bezeichnet.

Als viel wichtiger als „unter“ oder „über sich“ wird aber vielfach das Sternzeichen betrachtet, in dem sich der Mond zum Zeitpunkt der Auswasserung gerade befindet. Richtige „Mondgläubige“ achten bei der Auswasserung ihrer Boote unbedingt auf ein „Hörnle“-Zeichen, also Widder, Stier oder Steinbock.