Süchtige üben Kritik am Amtsarzt

Vorarlberg / 13.10.2015 • 18:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Anlässlich der ersten Drogenselbsthilfetagung kamen Drogen­abhängige zu Wort. 

Hohenems. „Gemeinsam für eine Verbesserung der Behandlungs- und Betreuungsqualität“ – unter diesem Motto steht die von den Selbsthilfevereinen „Starke Süchtige“, „do it yourself“ und „Ex&Hopp“ organisierte Veranstaltung in Hohenems. Sie ist einzigartig in Österreich und findet am kommenden Freitag, 16. Oktober, im Autonomen Zentrum „ProKonTra“ in der Kaiser-Franz-Josef-Straße 29 statt. Auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard wird teilnehmen. „Während von Fachleuten laufend Tagungen und ähnliches veranstaltet werden, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten aus Sicht vieler DrogengebraucherInnen in wichtigen Bereichen der Drogenpolitik und der Drogenhilfe zu wenig getan“, sagt „Ex & Hopp“-Obmann Bernhard Amann.

„Offene Diskriminierung“

Dies haben nun engagierte DrogengebraucherInnen und VertreterInnen von Selbsthilfevereinen zum Anlass genommen, selbst tätig zu werden. „Es geht ja um unsere psychischen und physischen Befindlichkeiten und um das Korsett, welches wir von der Politik, der Verwaltung und vom Behandlungs- und Betreuungssystem oft verpasst bekommen“, meint eine Aktivistin des Vereins „Starke Süchtige“.

„Viele von uns erleben häufig offene Diskriminierung und Stigmatisierung, aber viel zu oft gibt es auch verdeckte menschenunwürdige Umgangsformen und Systemzwänge. Faktum ist weiters eine hohe Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung“, beklagt ein engagiertes Mitglied des Vereins „do it yourself“.

Rezepte zerrissen

Die Kritik des Vereins „Starke Süchtige“ richtet sich an Behörden und Ärzte im Umgang mit registrierten Süchtigen. So würden bei der Bezirkshauptmannschaft sogar Rezepte zerrissen. Die Betroffenen würden in Apotheken und bei Ärzten oft auf wenig Verständnis stoßen, sagt Sonja Gober, Vorstandsmitglied im Verein „Do it yourself“.

Auch die Amtsärzte stehen in der Kritik, vor allem der Amtsarzt in Bregenz wird als Beispiel genannt. So berichten Betroffene, dass sie mit dem Rezept des Hausarztes gar nicht bis zum Amtsarzt kommen würden. Die Sekretärin schaue das Rezept an und würde sogar Rezepte
zerreißen, berichtet ein Betroffener. Bestätigt wird das von Sozialarbeiter Elmar Sturm, der mehrere Interviews mit Betroffenen in Bregenz führte.

„Unstimmigkeiten“

Doch laut Bezirkshauptmann Elmar Zech handle es sich bei den zerrissenen Rezepten um Rezepte mit gröberen Unstimmigkeiten, die mit dem behandelnden Arzt geklärt werden müssten. Er gehe davon aus, dass seine Mitarbeiter alles richtig abwickeln.

Ziel der Tagung am Freitag ist es, gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen, Ämtern und Behörden in einen ernsthaften Dialog über die Verbesserung der Behandlungs- und Betreuungsqualität zu starten.

In wichtigen Bereichen der Drogenpolitik hat sich zu wenig getan.

Bernhard amann

Drogenselbsthilfetagung am Freitag, 16. Oktober, im Zentrum ProKonTra in der Kaiser-Franz-Josef- Straße 29 in Hohenems
von 14–18 Uhr.