Teilbedingte Haft für Raser nach Horrorunfall in Bregenz

13.10.2015 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 18. Mai 2015.
VN-Bericht vom 18. Mai 2015.

23-Jähriger verletzte mit halsbrecherischem Fahrstil zwei Fußgängerinnen.

Christiane Eckert

Feldkirch. Den 16. Mai 2015 wird das Brautpaar nicht so schnell vergessen. Nicht nur, weil sie sich an jenem Tag das Jawort gaben, sondern weil der Wagen des Bräutigams in einen schweren Unfall verwickelt war. Gefahren ist aber nicht der zukünftige Ehemann, sondern sein tschetschenischer Freund, den er seit Kindertagen kennt. Die rund 15 Pkw fuhren von Lochau, wo man die Braut abholte, nach Bregenz. Dort gab man im Bahnhofsbereich Gas. Die Gesellschaft hatte sich zweigeteilt. Eine Gruppe war beim Bahnhof durch die grüne Ampel gekommen. Der Rest musste bei Rot anhalten. Als es wieder grün wurde, legten der 23-Jährige und sein Vordermann, beide in starken BMW unterwegs, einen Start hin, dass die Motoren aufheulten und die Reifen quietschten.

Ins Schleudern geraten

Die beiden Fahrzeuge waren auf der Rechtsabbiegespur eingereiht, schnitten nach links und überholten dann rechts einen Pkw, der geradeaus fuhr. „Mich hat fast der Schlag getroffen, wie die beiden an mir vorbeigerast sind“, erzählt die Zeugin, die damals stadtauswärts fuhr. Der Unglückslenker geriet mit mindestens 70 km/h an die rechte Bordsteinkante, danach auf die Gegenfahrbahn und auf den Gehsteig beim Jugend- und Kulturzentrum Between. Dort „kletterte“ der Wagen die Mauer hoch und krachte auf die beiden Fußgängerinnen, die kurz nach Mittag dort entlangspazierten. Die Frauen, 45 und 49 Jahre alt, wurden schwer verletzt. Beide sind Pflegerinnen und stammen nicht aus Vorarlberg. Das eine Opfer wurde unter dem Wagen eingeklemmt, das andere auf die Fahrbahn geschleudert.

Die zwei Frauen leiden noch heute an ihren schweren Verletzungen. Der einen musste ein Bein amputiert werden, bis September war sie in stationärer Behandlung, zurzeit ist sie in einer Rehaklinik, dann muss sie sich weiteren Operationen unterziehen. Der junge Mann ist sichtlich mitgenommen, seine Mutter weint. Das kann Richter Martin Mitteregger nachvollziehen. Doch für das Auftreten der tschetschenischen Hochzeitsgesellschaft findet er klare Worte.

Machos auf der Straße

„Es war eine Machtdemonstration, ein Machogehabe auf der Straße, und man hat kein Risiko gescheut und ist derart durch die Bregenzer Innenstadt gerast, dass es geradezu wahrscheinlich war, dass ein schwerer Unfall passiert“, bringt es der Richter auf den Punkt. Es grenze schon beinahe an Vorsatz, wenn man an einer Kreuzung, die man nicht kennt, mit 70 km/h rechts überhole und alle Verkehrsregeln ignoriere, so die Urteilsbegründung. Den Opfern werden je 2000 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen. Der Unfalllenker wird zu neun Monaten Haft, drei davon unbedingt, verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.