Blutige Attacke mit Weinglas auf Sunsetstufen am Molo

Vorarlberg / 14.10.2015 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Bregenzer Molo wird nicht selten und gerne dem Alkoholgenuss gefrönt. Verboten sind allerdings gläserne Behältnisse. VN/Hartinger
Am Bregenzer Molo wird nicht selten und gerne dem Alkoholgenuss gefrönt. Verboten sind allerdings gläserne Behältnisse. VN/Hartinger

Einmal mehr war Alkohol der Zündstoff für einen Streit unter Männern in Bregenz.

Bregenz. (VN-gs) „Das hätte ins Auge gehen können“, redet Bezirksanwalt Stefan Willi einem 22-jährigen Unterländer ins Gewissen. Der junge Mann sitzt nicht allein auf der Anklagebank des Bezirksgerichts Bregenz. Außer ihm müssen noch zwei weitere Männer Platz nehmen.

„Hier herrscht Glasverbot“

Es geschah im Sommer auf den beliebten Sunsetstufen am Bregenzer Molo. Unter der sengenden Sonne brannte auch der Durst in mancher Kehle. So auch bei dem 22-Jährigen, der sich schwer betrunken und mit einem Weinglas in der Hand dem 34-jährigen Erstangeklagten näherte. Letzterer schildert nun vor Bezirksrichter Christian Röthlin, wie die Situation damals eskalierte. „Ich sagte zu ihm, er solle einen Bogen um mich machen. Hier herrsche Glasverbot. Das wusste ich, weil ich am Molo selbst schon mal von der Polizei angehalten worden bin, weil ich eine Bierflasche dabei hatte.“

Und die Reaktion seines Gegenübers? „Er schlug mir daraufhin das Weinglas ins Gesicht. Ich habe fürchterlich geblutet“, erzählt er dem Richter und zeigt ihm eine 15 Millimeter lange Narbe über dem Auge. Damals sei ihm sein Freund (der 36-jährige Drittbeschuldigte) zu Hilfe geeilt.

„Du Conchita Wurst!“

Gemeinsam hätten sie den Angreifer festgehalten und die Polizei gerufen. „Und zwar nur festgehalten!“, beteuern beide unisono. Nun gibt es da aber eine Zeugenaussage, die den Ablauf der Geschehnisse völlig anders schildert.

So berichtete ein Beobachter, dass der Angegriffene sowie sein Freund den 22-Jährigen daraufhin schwer in die Mangel genommen, ihn verfolgt und immer wieder auf ihn eingeschlagen haben. Dabei sei es nicht nur bei körperlichen Attacken geblieben. „Sie beschimpften ihn mit du schw … Sau und sagten: ‚Du Conchita Wurst! So was wie dich können wir hier nicht brauchen!´“, wird der Augenzeuge im polizeilichen Protokoll zitiert.

24 Vorstrafen

Doch die Beschuldigten bestreiten vehement: „Nein, wir haben ihn nur festgehalten!“ Gerade er, der Erstangeklagte, könne sich angesichts seiner 24 Vorstrafen keine Handgreiflichkeiten mehr leisten. „Und außerdem, ich werde ihn wohl kaum herschlagen und gleichzeitig die Polizei rufen!“ Nun kommt ihr damaliger Gegner zu Wort und macht es kurz: „Ich war damals so besoffen, dass ich heute gar nichts mehr weiß.“ Seine Attacke mit dem Weinglas kommt ihn teuer zu stehen. Er wird zu einer Geldstrafe in der Höhe von 300 Tagessätzen zu je vier Euro verurteilt.

Außerdem muss er seinem Opfer 500 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Für ihn ist die Sache damit erledigt. Allerdings nicht für seine Kontrahenten. Sie werden im November nochmals in den Verhandlungssaal gebeten werden. Dann wird der unbeteiligte Augenzeuge vernommen.

Und außerdem, ich werde ihn wohl kaum herschlagen und gleichzeitig die Polizei rufen!

Der Beschuldigte