„Müssen sie erst ankommen lassen“

Vorarlberg / 14.10.2015 • 18:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Flüchtlingskinder sind oft traumatisiert. Der richtige Umgang mit ihnen will gelernt sein.  Foto: APA
Flüchtlingskinder sind oft traumatisiert. Der richtige Umgang mit ihnen will gelernt sein.  Foto: APA

Lehrer lernen, mit Flüchtlingskindern richtig umzugehen. PH bietet Fortbildung an.

Feldkirch. Die Herausforderung durch die Flüchtlinge ist eine sehr vielschichtige. Vor allem auch in den Schulen müssen die Kinder der Asylwerber entsprechend betreut werden. Schulbehörden, Pädagogische Hochschule und die zahlreichen Schulen im Land stellen sich auf diese Aufgabe ein.

Auf Situation einstellen

„Derzeit sind gut 200 Flüchtlingskinder in 64 Schulen untergebracht“, informiert Günter Gorbach (59), Landesschulinspektor für den sonderpädagogischen Bereich, dem auch die Integration von Flüchtlingskindern zufällt. Die Situation sei so, dass eine große Flexibilität im Schulbereich notwendig sei. „Das hat mit der Wohnungssituation zu tun“, erklärt Gorbach. „Man kann nicht genau sagen, wo die Flüchtlingskinder mit ihren Eltern letztlich untergebracht werden. Wo immer sie hinkommen, müssen die örtlichen Schulen Verantwortung übernehmen.“ Auch sei die künftige Entwicklung schwer abzuschätzen. „Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge noch kommen. Wir müssen uns auf jede Situation einstellen“, betont der Inspektor.

Richtiger Umgang

Wichtig sei vor allem, „dass wir die Kinder erst einmal ankommen lassen, ohne dass eine Drucksituation entsteht. Wenn etwa in einer Klasse 19 einheimische Kinder und drei Flüchtlingskinder sind, brauchen alle Zeit, sich kennenzu- lernen.“ Stark gefordert seien in solchen Situationen vor allem die Lehrer.

„Die fremden Kinder müssen sich zumeist an vieles gewöhnen, das für sie komplett neu ist. In ihrer Heimat waren sie oft völlig andere Regeln und Rhythmen gewohnt“, verdeutlicht Gorbach die Hürden, die es für alle Beteiligten zu meistern gilt.

Wie man mit den zum Teil traumatisierten Kindern aus Kriegsländern richtig umgeht, sollen die Pädagogen auch an der Pädagogischen Hochschule lernen können. Die PH will noch im  laufenden Wintersemester ein zusätzliches Fortbildungsangebot für den richtigen Umgang mit Flüchtlingskindern anbieten. Zu diesem Zweck gab es vor einer Woche eine Veranstaltung mit einem Vortrag von Caritas-Flüchtlingsexpertin Elisabeth Meusburger im Mittelpunkt. Thema war „Das 1 x 1 der Flüchtlingshilfe“. „Wir durften dabei 130 interessierte Pädagoginnen und Pädagogen begrüßen“, freut sich Vizerektorin Ruth Allgäuer über das große Interesse.

Es habe bei dieser Veranstaltung jedoch nicht nur bloße Informationen für die Lehrerinnen und Lehrer gegeben, betont Allgäuer. Auch von jenen Pädagogen, die bereits mit Flüchtlingskindern zu tun haben, seien viele Anregungen und Erfahrungen eingebracht worden. Mit Flüchtlingskindern kann in Vorarlberg von heute auf morgen theoretisch jede Schule konfrontiert werden.

Alle gefordert

In die Programme für die kleinen Gäste eingebunden sind aber nicht nur die Schulen, Kindergärten und die Pädagogische Hochschule. Ihren Beitrag zur umfassenden Integration sollen auch außerschulische Einrichtungen, wie etwa „Okay.zusammen leben“ liefern, aber auch die Dorfgemeinschaften mit ihren Ehrenamtlichen in den verschiedensten Bereichen. Klar ist allen: Die Herausforderungen werden in Zukunft eher noch größer.