Taschendiebe verurteilt und doch in Freiheit

Vorarlberg / 14.10.2015 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zwei junge Bulgaren dürfen trotz Haftstrafe nach Hause, Geschädigte sind verärgert.

Feldkirch. (ec) Rund zehn Geschädigte sind zum Prozess gekommen. Der Reihe nach geben die Opfer an, was ihnen in diversen Supermärkten an Bargeld, Bankomatkarten, Führerscheinen und Pässen abhanden gekommen ist. In Summe ergibt dies rund 4.600 Euro. Doch das Gesicht der Bestohlenen wird lang, als Staatsanwalt Philipp Höfle erklärt, dass vermutlich kein Cent an Schadenswiedergutmachung fließen wird. Die 20-jährige Bulgarin und der gleichaltrige Landsmann haben kein Geld, keine Ausbildung und können theoretisch noch heute in ihre Heimat zurückreisen. Oder in ein anderes Land ihrer Wahl. „Super, dann können sie ja gleich weiterstehlen“, macht sich einer der Geschädigten Luft. Doch das Gesetz will es so.

Kriminaltouristen

Die beiden waren als typische Kriminaltouristen unterwegs. Die junge Frau ist in Griechenland und Italien bereits wegen Diebstahls vorbestraft. In Österreich tingelten sie ebenfalls durchs Land und spähten ihre Opfer vor allem in Diskontern und Supermärkten aus. Großteils ältere Damen wurden bestohlen. Der junge Bulgare war der Chauffeur, seine Bekannte erleichterte unaufmerksame Kundinnen. Viele Bestohlene haben sich gar nicht gemeldet, sie wissen, wie solche Verfahren für sie ausgehen. Die junge Frau behauptet, dass sie in ihrer Heimat zur Heirat mit einem Roma gezwungen worden sei. Der Schwiegervater habe die Diebstähle von ihr verlangt, so ihre Verantwortung. Bis zuletzt leugnete sie die unzähligen Diebstähle, erst in letzter Minute war sie geständig.

Die beiden Angeklagten werden zu zwei Jahren Haft verurteilt. Acht Monate werden unbedingt ausgesprochen, der Rest wird bedingt nachgesehen. Da die zwei bereits sechs Monate in U-Haft saßen und somit zwei Drittel der Zeit verbüßt haben, werden sie sofort bedingt entlassen.

Das Problem: Sie wissen nicht wohin. Die Bewährungshelferin versucht zu helfen. Das Urteil ist rechtskräftig.