Ein mysteriöser Unfall stellt Gericht weiterhin vor Rätsel

Vorarlberg / 15.10.2015 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 24. Juli 2015.
VN-Bericht vom 24. Juli 2015.

Zulassungsbesitzer streitet ab, seinen Pkw bei einem Unfall in Hard gelenkt zu haben.

Feldkirch. Der 2. November 2014, kurz nach Mitternacht auf der Kreuzung bei der Jet-Tankstelle in Hard: Gegen den Pkw eines 49-jährigen Schweizers rast und prallt schließlich ein silberner SUV, sein eigenes Fahrzeug wird um 180 Grad gedreht, er selbst erleidet ein Schleudertrauma.

Der unbekannte Unfalllenker spricht den verletzten Eidgenossen noch an Ort und Stelle an. Er sagt, er habe Geld und wolle keine Polizei. Um es an Ort und Stelle zu regeln, will er den Unfallbericht holen und läuft zu seinem Fahrzeug. Dann rauscht er damit von dannen.

Zurück auf der Straße bleibt allerdings sein Kennzeichen. Somit hat die Polizei ein leichtes Spiel, den Zulassungsbesitzer zu ermitteln. Ja, dieser selbst, ein Vorarlberger Unternehmer, meldet sich kurz darauf, um eine Verlustanzeige bezüglich seiner Nummerntafel aufzugeben. Wie sich herausstellt, wurde dem Mann in der Vergangenheit bereits zwei Mal der Führerschein abgenommen. Er gerät damit in Verdacht, der Unfalllenker gewesen zu sein, und damit gleichzeitig ins Visier der Justiz.

Am 23. Juli 2015 wird er mit dem damals geschädigten Schweizer konfrontiert, als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch (die VN berichteten). Der Eidgenosse ist sich sicher, dass es sich bei dem Unternehmer um den Unfallverursacher handelt. Doch Letzterer bestreitet jede Verantwortung. Er habe zum Unfallzeitpunkt geschlafen und den Schlüssel im Wagen stecken lassen. Jemand anderer müsse mit dem Wagen gefahren sein.

Bei einer zweiten Verhandlung am Landesgericht Feldkirch werden Zeugen einvernommen. Unter anderem der Sohn des Cousins des Angeklagten.

Der junge Mann bestätigt dabei, seinen Verwandten am Tag des Unfalls in einem Gasthaus gesehen zu haben. Derselbe habe ihn in der Nacht sogar nach Hause gefahren.

„Nicht darauf geachtet“

Darauf will Richter Martin Mitteregger vor allem eines von dem Zeugen wissen: „Hat der Angeklagte damals Alkohol konsumiert?“ Der Sohn des Cousins winkt ab: „Mir ist nichts aufgefallen, aber ich habe auch nicht darauf geachtet.“

Eine Polizistin erzählt dem Richter anschließend, dass sie den Unternehmer Tage danach telefonisch kontaktiert hatte: „Ich teilte ihm mit, dass sein Fahrzeug in einen Unfall verwickelt war. Er selbst behauptete, er wisse nichts davon. Als ich ihn bat, seinen Pkw sehen zu dürfen, legte er auf.“ Auch das bestreitet der Beschuldigte: „Ich fuhr während des Anrufs gerade in den Achraintunnel. Da war die Verbindung plötzlich blockiert.“

Richter Mitteregger vertagt die Verhandlung. Er will ein gerichtsmedizinisches Gutachten über die damals erlittenen Verletzungen des Unfallopfers einholen, um die Schwere der Schuld zu klären, denn: „Der Unfall lässt sich so nicht mehr rekonstruieren.“

Der Unfall lässt sich so nicht mehr rekonstruieren.

Richter Martin Mitteregger