Hoffen auf neues Geschäftsmodell

16.10.2015 • 17:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vieles deutet darauf hin, dass die Tore des Schlachthofs bald für immer geschlossen bleiben.  Foto: Stiplovsek
Vieles deutet darauf hin, dass die Tore des Schlachthofs bald für immer geschlossen bleiben. Foto: Stiplovsek

Nächste Woche soll Entscheidung über die Zukunft des Dornbirner Schlachthofs fallen.

Dornbirn. (ha) Sollten Verhandlungen mit möglichen Betreibern scheitern, wird Dornbirn den städtischen Schlachthof schließen. Der zuständige Stadtrat Josef Moosbrugger (49, ÖVP) hofft aber auf eine Weiterführung im Sinne der Vorarlberger Bauern. Er selbst musste sich auf der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung den Vorwurf der Neos gefallen lassen, für das Schlachthof-Defizit zumindest mitverantwortlich zu sein.

Ein umstrittener Tiertransport brachte, wie berichtet, Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer, in Erklärungsnot. Unter anderem wurde kritisiert, dass die Rinder anstatt im schlecht ausgelasteten Dornbirner Schlachthof in Graz zur Schlachtbank geführt wurden. Michael Klocker (38) von den Neos warf dem obersten Bauernvertreter unter anderem vor, gegen die Interessen des eigenen Schlachthofs verstoßen zu haben und forderte ihn auf, den Hut zu nehmen.

Moosbrugger ließ den Vorwurf, dass man den Schlachthof links liegen lasse, nicht gelten: Die Ländle Vieh Vermarktung Bregenz, deren Obmann er ist, lasse 95 Prozent der Tiere in Dornbirn schlachten, der kritisierte Transport von rund 20 Kühen in die Steiermark sei sozusagen eine einmalige Probelieferung gewesen, um mit den Verwertern in Graz ins Geschäft zu kommen.

Lokales Fleisch kaum gefragt

Schuld an der schlechten Auslastung des Schlachthofs der Stadt Dornbirn sei unter anderem die betriebliche Struktur: „Es wird nur geschlachtet, aber kein Fleischhandel betrieben. So was gibt es in ganz Österreich nicht. Helfen könnte ein neues Geschäftsmodell.“ Laut Moosbrugger fehlt es im Ländle an Abnehmern. Grund: Das Fleisch von Vorarlberger Braunvieh ist hierzulande kaum gefragt. Bevorzugt werden Steaks von Fleischrindern aus anderen Teilen Österreichs. Die letzte Rettung für den Schlachthof sieht Moosbrugger in der Gründung einer Betreibergesellschaft, der heimische Handelsbetriebe angehören. Anfang nächster Woche soll eine Entscheidung fallen. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (46, ÖVP) hat sich offenbar mit dem Zusperren bereits abgefunden. Geld aus der Stadtkasse für die dringend erforderliche Modernisierung werde es von der Stadt definitiv keines geben. „Wenn das Betreiber­modell nicht kommt, wird der Schlachthof geschlossen.“ Die Angestellten will sie aber nicht im Regen stehen lassen. Sie können mit einer Weiterbeschäftigung in einer anderen städtischen Abteilung rechnen.

Es wird nur geschlachtet, aber kein Fleischhandel betrieben. So was gibt es in ganz Österreicht nicht.

Josef Moosbrugger