Liebe ist dreifaltig, ist vielfältig

Vorarlberg / 16.10.2015 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: Fotolia

Foto: Fotolia

Die Welt blickt nach Rom. 270 Bischöfe und 80 Expertinnen und Experten beraten derzeit bei der Familiensynode die Frage, was Familien heute stärken kann, welche Wege sie in eine gute Zukunft führen? Was sehen wir als Teilnehmer dieser weltweiten Versammlung in Rom? Schönes und Schmerzliches. Die Situationen sind so verschieden, wohin man den Blick richtet – nach Europa oder Südamerika, Afrika oder Asien. Überall gibt es eine große Sehnsucht nach Beziehung, nach Beheimatung, nach Liebe und Geliebtsein, nach Treue und Verlässlichkeit.

Diese Woche fand ich eine kleine Ikone in meinem Postfach in der Casa Santa Marta vor. Das hat mich sehr berührt. Ordensschwestern aus Rom haben sie überbracht. Sie beten für die Synodenteilnehmer, für die Familien.

Mit dieser Ikone verbinde ich eine Entscheidungssituation auf meinem Weg zum Priestertum. Ich stand vor der Frage, werde ich es schaffen, diesen Weg zu gehen? Wird mir die Kraft dazu geschenkt? Da wurde mir bei Exerzitien diese Ikone zur Meditation geschenkt, es ist die Ikone der Dreifaltigkeit. Und ich habe etwas begriffen. Wunderbar wird hier die Kommunion dieser drei Engel miteinander dargestellt. Das Miteinander, in Beziehung stehen, es ist eine bildliche Darstellung, was Liebe im Leben von Menschen bedeutet. Und ich habe gespürt, dass ich eingeladen bin an diesen Tisch, dass ich hineingenommen werde in diese Kommunion der Liebe. Das hat mich gestärkt, das hat mir das tiefe Gefühl gegeben, dass ich von Gott geliebt bin. Er nimmt nicht meine Defizite in den Blick, das, was ich noch nicht geschafft habe, sondern er schaut auf das, was ich bin, was es an Gutem, an Schönem, an Wertvollem in meinem Leben gibt. Mit all dem – mit dem Hellen und Dunklen – durfte ich teilnehmen an diesem Tisch der Dreifaltigkeit. Ähnlich erscheint mir die Aufgabe der Synode. Wir sehen auch Menschen, die gescheitert sind, die Fehler machen, die auf dem Weg sind, die ihr Ziel vielleicht noch nicht erreicht haben. Und da nennen wir nicht als Erstes das, was noch fehlt zur Vollendung, sondern wir nehmen das Gute und Schöne in ihrem Leben wahr und stellen es hinein in die unendliche Liebe Gottes. Sie ist Kommunikation, Gespräch, Austausch der Herzen, wie es auf dieser Ikone dargestellt ist.

Wenn ich vor einem Berg stehe und ein Bergführer sagt mir: „Diesen Berg musst du bezwingen“, dann werde ich vielleicht verzweifelt, vielleicht traurig, weil ich glaube, das nicht zu schaffen. Wenn da aber jemand kommt und sagt: „Es ist gut, dass du bis hierher gekommen bist. Es ist gut, dass du diesen Weg gemacht hast – in der Beziehung, in der Familie. Ich gehe weiter mit dir und zeige dir den Weg zum Gipfel“, dann wird mich das stärken, aufbauen, weiterbringen. Und so werde ich das Ziel erreichen.

Das ist die Pädagogik dieser Ikone, die Pädagogik der dreifaltigen Liebe Gottes. Ich wünsche mir und allen Familien, dass diese Ikone wie eine Folie auf dem Miteinander unserer Familien liegt, in frohen und glücklichen Stunden und Tagen, und genauso auch in trüben und schweren Zeiten.

Bischof Benno Elbs