Generation R

18.10.2015 • 17:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Den Relaxten gehört die Welt! Das zumindest ist das Ergebnis der 17. Shell-Jugendstudie, die in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Zwischen Jänner und März 2015 gaben 2558 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zwölf und 25 Jahren einen Einblick in ihre Werte, Ängste und Hoffnungen. Und, uff, die Ergebnisse lassen aufamten. Über die Hälfte der jungen Menschen sieht der individuellen und gesellschaftlichen Zukunft positiv entgegen. Sie sind optimistisch, gelassen und zufrieden. Vor allem aber zeigen sie sich interessiert an politischen Fragestellungen. Und das ist eine Trendwende. Vivat, natürlich alles richtig gemacht, jubelt laut die Politik. Und mit einem Seitenhieb nach links oder rechts verweisen Obleute aller Couleur voller Stolz auf Nachwuchsförderungsprogramme ihrer, selbstverständlich nur ihrer Partei.

Tatsächlich beäugt die Shell-Jugend das politische Treiben nicht ganz so relaxed. Im Gegenteil. Vor allem die jüngeren der befragten Jugendlichen lehnen die Art, wie Politik aktuell gestaltet wird, strikt ab. Weder die politisch etablierten Institutionen noch das von parteipolitischen Interessen geleitete Handeln entspricht ihrer Vorstellung von gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung. Als zu wenig jugendgerecht, zu apparathaft und zu weit entfernt von direkt möglicher Einflussnahme bezeichnen sie den Zustand des aktuellen politischen Systems. Das birgt gesellschaftlichen Zündstoff, denn eine institutionalisierte Politik, die eine an sich politisch interessierte Jugend nicht erreicht, vertut sich viel. Sie verspielt die Möglichkeit, mit allen Menschen Zukunft zu gestalten. Sie vergibt die Chance, neue gesellschaftliche Themen zu erfassen. Und sie verpasst es, die Entstehung radikaler Strömungen zu erkennen und frühzeitig gegenzulenken.

In der heutigen Zeit des gesellschaftlichen Wandels kommen wir nicht umhin, uns den Jugendlichen und ihren Anliegen zuzuwenden. Wir müssen zuhören, nachfragen und ehrlich Antwort geben. Wir müssen sie spüren lassen, dass sie uns wichtig sind. Dazu gehören ein hoher Bildungsetat, ein vielfältiges Jugendfreizeitangebot und eine an Gerechtigkeit ausgerichtete Gesellschaftspolitik. Die Installation und Verwaltung parteipolitisch bezogener Nachwuchsförderungsprogramme reicht leider nicht aus.

Über die Hälfte der jungen Menschen sieht der individuellen und gesellschaftlichen Zukunft positiv entgegen.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone.