Mit Bescheid beginnt die Integration

Vorarlberg / 18.10.2015 • 18:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Integrationsexpertin Grabherr über die fünf Zahnräder einer gelungenen Integration.

Dornbirn. (VN-mip) Wohnen und Arbeit sind Punkte, die allgemein als Teil gelungener Integration wahrgenommen werden. Es sind nicht die einzigen Bereiche, die dafür notwendig sind. Die Projektstelle für Zuwanderung und Integration „okay.zusammen leben“ hat fünf Bereiche ausgearbeitet, die benötigt werden, damit Integration funktioniert: Spracherwerb, Existenz und Wohnen, soziale Integration, Ausbildung und Bildung, Arbeit. Dieser Prozess lässt sich nicht linear beschreiben.

Eva Grabherr, Leiterin von „okay.zusammen leben“, fasst den Integrationsprozess im Bild von Zahnrädern zusammen. Sie greifen ineinander, eines bedingt das andere. Eine strikte Reihenfolge gibt es nicht, aber das Dach über dem Kopf steht am Anfang, auch Sprachintegration kann nicht früh genug begonnen werden.

Sucht ein Flüchtling um Asyl an, kommt er in die Grundversorgung. Er hat ein Dach über den Kopf, bekommt Essen und Trinken – oder Geld, um sich selbst versorgen zu können. Und er wartet. Der Asylbescheid ist das Ziel und der eigentliche Anfang der Integration. Flüchtlinge mit Asylstatus sind auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt gleichberechtigt mit jedem anderen. Grabherr erklärt: „Es gibt drei Phasen. Zunächst die Betreuung, dann die Begleitung und am Ende steht die Selbstständigkeit.“ Auf dem begleiteten Weg zur Selbstständigkeit sind fünf Bereiche – oder Zahnräder – entscheidend:

Spracherwerb: „Nichts geht ohne Sprache“, sagt Grabherr. Den Kern bilden Kurse mit strukturierem Lernangebot. Ehrenamtliche können einen ganz besonderen Beitrag leisten, weil sie nicht nur Sprache beibringen, sondern sozialer Bezugspunkt sind. Sprache sei der Schlüssel für so gut wie alle anderen Integrationsbereiche. In die Sprach­integration zu investieren, kann nie falsch sein.

Wohnen und Existenz: Auch das ist eine große Herausforderung, erklärt Grabherr: „Haben wir den Wohnraum? Müssen wir ihn noch schaffen?“ Der Sozialstaat solle sicherstellen, dass niemand ohne Dach über dem Kopf ist. Aber das Ziel sei grundsätzlich die Selbsterhaltungsfähigkeit der Menschen.

Soziale Integration: Analysen haben gezeigt, dass Kontakt zu Fremden Vorurteile abbaut. Es erleichtert vieles: Ob sprachlich, ob Wohnungssuche, ob Abbau von Ängsten – soziale Integration ist der Schlüssel für ein reibungsloses Zusammenleben, damit Zuwanderer Teil der Gesellschaft werden.

Ausbildung und Bildung: In Schulen wird die Zahl der Quereinsteiger zunehmen. Dafür müssen Pädagogen besonders geschult werden. Wie lernen Lehrer, damit umzugehen? Denn Spracherwerb wird in diesem Fall nicht langsam erfolgen, die Kinder und Jugendlichen kommen sofort in die Klasse. Die Projektstelle „okay.zusammen leben“ bietet daher Kurse für Lehrer an. Auch an der Pädagogischen Hochschule ist ein Fortbildungsprogramm in Arbeit.

Beruf: Sprache und soziale Integration spielen bei der Arbeitssuche eine herausragende Rolle. Laut Experten werden 50 Prozent aller vermittelten Jobs gar nicht auf dem Arbeitsmarkt angeboten. Gelder für Arbeitsmarktintegration sind für Grabherr Investitionen, die jetzt getätigt werden müssen, damit sie in Zukunft etwas bringen. Wichtig sei zudem, zu erfassen, was ein Asylwerber kann und was der Markt braucht: „Auf dem Arbeitsmarkt braucht es Koordination.“

Von Betreuung über die Begleitung zur Selbstständigkeit.

Eva Grabherr