Herr Kalb sucht seine vermisste Mutterkuh

19.10.2015 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Koppel, aus der die Kuh Elena vergangene Woche auf dem Fallenberg auf rätselhafte Weise verschwunden ist.  Fotos: VN/Sohm
Die Koppel, aus der die Kuh Elena vergangene Woche auf dem Fallenberg auf rätselhafte Weise verschwunden ist. Fotos: VN/Sohm

Seit dem vergangenen Donnerstag ist Kuh Elena aus ihrer heimischen Koppel verschwunden.

Dornbirn. Der Dornbirner Landwirt Helmut Kalb (51) ist ratlos ob eines Mysteriums, das ihm seit nunmehr sechs Tagen keine ruhige Minute mehr lässt: Irgendwann in der Nacht auf den vergangenen Donnerstag verschwand aus der mit Elektrodraht umzäunten Koppel auf rätselhafte Weise die vierjährige Mutterkuh Elena.

Seither durchsucht er auf dem Dornbirner Fallenberg Waldstück für Waldstück, Wiese für Wiese und Tobel für Tobel. Erfolglos. Selbst der Jäger Martin Rhomberg und die Polizei sind ratlos. Denn das Rätsel beginnt bereits mit der Frage, wie sich die Kuh überhaupt aus der Umzäunung entfernen konnte. „Ich habe den Zaun genau untersucht“, beteuert Kalb gegenüber den Vorarlberger Nachrichten, „und der war unter Strom und völlig intakt. Sie kann also unmöglich von allein ausgebüxt sein. Sie ist schwer trächtig, so war ein Überspringen unmöglich. Und wäre sie unten durchgekrochen, müsste man Spuren sehen.“

Gestohlen?

Aber nichts davon ist zu erkennen. „Meine Vermutungen gehen schon so weit, dass ich glaube, man hat sie mir in der Nacht gestohlen“, seufzt er. Aber wer sollte das tun? „Elena ist vier Jahre alt, das Fleisch wäre nicht mehr gerade das Beste.“ Eine plausible Erklärung für die Spekulation in Richtung Kuhklau wäre allerdings, dass der Zaun intakt war und das Tor von fremder Hand geöffnet wurde, und: „Ansonsten müsste eine 700 Kilogramm schwere Kuh doch zu finden sein, sie ist ja nicht gerade klein.“

Ein Mysterium folgt auf das andere. „Ich habe mit Schwester und Schwager tagelang alles abgesucht. Schließlich fanden wir im Wald Spuren von Hufen und Kot, die sicher von Elena stammen. Aber sie kann in kein Tobel abgestürzt sein, denn dann hätten wir oder jemand anders sie gefunden. Schließlich sind wir noch auf weitere Spuren gestoßen, die zurück zur Koppel führten. Doch dort verlor sich dann alles“, rätselt der 51-jährige Landwirt. Die häufigen Kotspuren würden darauf hinweisen, dass sich das Rind in einem aufgeregten Zustand befunden hat, versichert Kalb: „Sie muss sehr gestresst gewesen sein, irgendwas hat sie fürchterlich in Angst versetzt.“

Verstörtes Jungtier

Elena ist eine Mutterkuh, seit ihrem Verschwinden ist das elfmonatige Jungtier Bruni völlig verstört. „Auch das Kalb befand sich damals in der Koppel, und von allein hätte sich das Muttertier nie von ihm getrennt“, spricht der Landwirt ein weiteres Rätsel an, das ihm Kopfzerbrechen bereitet.

Er bittet nun die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach der verschwundenen Kuh, an der sein Herz hängt: „Mir wäre es mittlerweile schon lieber, man würde Elena irgendwo tot auffinden, lieber als diese quälende Ungewissheit.“

Irgendwas hat sie fürchterlich in Angst versetzt.

Helmut kalb
Landwirt Helmut Kalb mit dem verstörten Jungtier.
Landwirt Helmut Kalb mit dem verstörten Jungtier.