„Dort ist das System am Ende“

20.10.2015 • 17:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Wir nehmen an, dass sich unser Marktanteil irgendwo zwischen 70 und 75 Prozent einpendeln wird.“
„Wir nehmen an, dass sich unser Marktanteil irgendwo zwischen 70 und 75 Prozent einpendeln wird.“

ARA-Vorstand Werner Knausz über Liberalisierung, Trennungsmoral und die Zukunft des Systems.

Schwarzach. (VN-ger) Im gewerblichen Bereich befindet sich die ARA seit rund 17 Jahren im Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Anfang des Jahres ist auf Druck der EU auch das Monopol um die Sammlung und Verwertung von Haushaltsverpackungen gefallen. „Wir konnten das hohe Recyclingniveau in Österreich sichern“, zieht ARA-Vorstand Werner Knausz im VN-Interview eine positive erste Bilanz.

Wie ist es um die Mülltrennungsmoral der Vorarlberger bestellt?

Werner Knausz: Sehr gut. Vorarlberg ist im Bundesländervergleich nach wie vor an erster Stelle, und die Zahlen sind stetig steigend. Bei Glas, Papier und Metall gibt es nahezu nirgends mehr in Österreich ein Qualitätsproblem. Wo es noch Verbesserungspotenzial gibt, ist beim gelben Sack und der gelben Tonne. Österreichweit haben wir dort 17,3 Prozent Fehlwürfe, in Vorarlberg gut
16,2 Prozent.

Anfang 2015 wurde in Österreich der Wettbewerb um die Sammlung und Verwertung von Haushaltsverpackungen liberalisiert. Wie zufrieden sind Sie mit der Situation?

Knausz: Aus unserer Sicht ist die Einführung des Wettbewerbs zufriedenstellend verlaufen, insbesondere in dem Sinn, dass der Konsument nichts gemerkt hat. Unsere Befürchtung war ja immer, dass es so wird wie in Deutschland. Dort haben sie diesen Wettbewerb eingeführt und nach zehn Jahren ist das Sammelsystem für Leichtverpackungen am Ende. Es kommt nahezu nichts mehr zum Recyceln raus. Warum? Weil man den Eindruck vermittelt hat, dass es nur mehr ums Kohle- machen geht. Kein Mensch hat mehr gesagt, bitte tu so weiter wie vorher. In Österreich konnten wir jedenfalls das hohe Recyclingniveau sichern. Für die Wirtschaft war es außerdem extrem wichtig, die Trittbrettfahrer, also jene, die Verpackungen in Österreich auf den Markt bringen, dafür aber nicht bezahlen, zu reduzieren. Auch hier ist es dem Umweltministerium gelungen, durch die sogenannte Abgrenzungsverordnung eine nochmalige Verbesserung von zehn Prozent im Jahr 2014 auf sieben Prozent herbeizuführen.

In einer von der ARA mit in Auftrag gegebenen Studie wurde unlängst erhoben, inwieweit Verpackungen helfen können, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Was hat es damit auf sich?

Knausz: Wenn das Kerngeschäft Verpackungen sind, dann kann man sich die Verpackungen ja nicht ständig schlechtreden lassen. Es gibt da so banale Beispiele wie die Gartenkresse. Wenn man über die Kresse eine Kunststofffolie gibt, dann hält sie fünf Tage länger als ohne Kunststofffolie. Oder wenn die Gurke in eine Plastikfolie eingeschweißt ist, dann hält sie viel, viel länger, als wenn sie einfach nur so im Regal liegt. Das wirkliche CO2-Thema ist ja nicht die Folie, sondern alles drum herum. Es gibt sicher viele Beispiele, wo Verpackungen negativ sind, aber es gibt auch sehr viele Beispiele, wo Verpackung positiv ist. Und das wollten wir aufzeigen, und da wollen wir auch im kommenden Jahr weitermachen. 

Wie sehen Sie die Zukunft des Müllsammelsystems? Müssen wir in zehn Jahren überhaupt noch Müll trennen?

Knausz: Das glaube ich schon. Wir lassen von der IMAS jedes Jahr eine Umfrage machen. Dabei geben 92 Prozent der Befragten an, dass sie Müll trennen, bei einer Umfrage der EU sind es sogar 96 Prozent. Und nahezu 90 Prozent sagen, dass sie nichts mehr geändert haben wollen, und dass sie es gerne tun. Ein Sytem, das eigentlich relativ gut funktioniert, und der Großteil sagt, dass er es gerne macht und wir das auch an den Sammelzahlen erkennen können, also, das zu ändern wäre ja idiotisch.

Daten und Fakten

Haushaltssammlung pro Kopf (2014)

Vorarlberg Österreich

Papier 80,1 kg 69,8 kg

Glas 34,1 kg 26,1 kg

Kunststoff 27,2 kg 17,2 kg

Metalle 5,9 kg 3,4 kg

Gesamt 147,3 kg 116,5 kg

Stichwort ARA: Firmen, die Verpackungen in den Verkehr bringen, bezahlen bei der ARA Entsorgungsbeiträge. Die ARA hat flächendeckend in Österreich Verträge mit allen Gemeinden, Städten und Entsorgern. Die Kommunen stellen die Container oder Standplätze zur Verfügung. Die Entsorger sammeln das Material und übergeben es an die ARA, die das Material wiederum von Sortierern aufbereiten lässt und an die Industrie als Rohstoff verkauft.