Ein zweites Leben für Elektrogeräte

20.10.2015 • 16:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Repair Café zählt das gemeinsame Anpacken.
Im Repair Café zählt das gemeinsame Anpacken.

Mit kleinem Team repariert Harald Mark Haushalts- und Elektrogeräte, die andernfalls auf dem Müll landen.

Nenzing. Es waren die erschütternden Bilder von Elektromülldeponien in Afrika, die dem Nenzinger Harald Mark nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten. Schätzungen zufolge werden nur 25 Prozent des Elektroschrotts aus westlichen Industrienationen fachmännisch entsorgt. Der Rest landet auf Müllbergen in Ländern des Südens – und führt dort u. a. zu gefährlichen Bleikonzentrationen, die allen voran bei Kindern Gesundheitsschäden hervorrufen.

Sensibilisierung

Auch wenn Mark das Elend nicht beenden kann – mit der Initiierung eines sogenannten Repair Cafés in Nenzing wollte er einen Beitrag zur Sensibilisierung der Menschen aus der Region leisten. Mit Erfolg: Zusammen mit einem kleinen Team von Ehrenamtlichen repariert er ein Mal pro Monat Staubsauger, Bügeleisen, Spielzeug oder Gartengeräte. „Bei vielen Geräten fehlt zumeist nur eine Kleinigkeit. Und trotzdem wird von der Industrie der Eindruck vermittelt, dass ein Defekt mit einem Totalschaden einhergeht“, ärgert sich der A1-Techniker. Mit einer Erfolgsquote von knapp 80 Prozent beweist das Team jedenfalls eindrücklich: Es geht auch anders.

Das Projekt wurde durch eine Umwelt-Arbeitsgruppe der Pfarre Nenzing ins Leben gerufen. Ein kleines Team organisierte Workshops, Vorträge, Filmabende, eine Fahrradputzaktion – und initiierte überdies eine Nahversorgerliste. Das ehrenamtliche Engagement wurde 2013 mit dem mit 3000 Euro dotierten Hypo-Umwelt-Förderpreis ausgezeichnet. „Damit standen endlich die Mittel für Werkzeuge und Ersatzteile zur Verfügung, um das Repair Café in die Tat umzusetzen“, blickt Harald Mark auf die Anfänge zurück.

Ein 20-köpfiges-Team – unterstützt wird er beispielsweise von einem Installateur, einem Nähmaschinenmechaniker, einem Tischler und einem pensionierten Werklehrer – gibt er in Nenzing Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir stellen gerne unser Know-how zur Verfügung. Uns ist aber sehr wichtig, dass der Besitzer des Geräts bei der Reparatur dabei ist und so viel wie möglich selber macht“, erklärt der 45-Jährige. Eine Konkurrenz zu Wirtschaftsbetrieben sei das Repair Café deshalb nicht – würden doch ausschließlich Geräte repariert, die andernfalls auf dem Müll landen.

Mittlerweile hat sich das Repair Café als gefragte Adresse etabliert. „Der Zuspruch ist enorm“, freut sich der zweifache Familienvater. Pro Termin werden zwischen 20 und 35 Geräte repariert, die Arbeiten müssen aufgrund der hohen Besucherzahl zum Teil ins Freie verlegt werden. Auch deshalb sei man aktuell mit der Marktgemeinde Nenzing auf der Suche nach einem neuen Standort. Zudem unterstütze man andere Initiativen im Land beim Aufbau von eigenen Repair Cafés. „Durch die Spendenkampagne über den Ideenkanal wollen wir anderen potenziellen Betreibern den Startschuss ermöglichen“, erklärt Mark. Das Ziel: Zumindest in jeder Stadt oder größeren Gemeinde in Vorarlberg soll ein Repair Café entstehen.

„Best Practice“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung der Landesregierung.